Solange die Europäische Zentralbank (EZB) an ihrer Nullzinspolitik festhält, sind Sichteinlagen wie Tages- oder Festgeld für Sparkassen eine zunehmend finanzielle Belastung, klagt Helmut Schleweis, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV), in einem Interview mit dem "Handelsblatt". Im Pandemiejahr sei die bundesweite Sparquote auf 16 Prozent gestiegen. Trotz aller Bemühungen, Kunden mit Guthaben jenseits der 100.000-Euro-Marke oder weniger per "Verwahrentgelt" zu vergraulen oder zumindest in für die angeschlossenen Häuser lukrativere Geldaufbewahrungsvarianten zu treiben, verzeichnen viele Sparkassen, sehr zum eigenen Missfallen, weiterhin steigende Einlagenvolumina. "Das Kundenvertrauen freut uns, die Einlagenflut an sich aber nicht", sagt Schleweis. "Heute kostet die Annahme von Einlagen Geld."

Das unwillkommene Plus sei vor allem deshalb eine Belastung, weil es für Kreditinstitute kaum ertragreiche Anlagemöglichkeiten gebe. Die EZB kaufe zu viele gute Anleihen vom Markt weg. "Und jeder zusätzliche Euro an Einlagen bedeutet auch eine höhere Bankenabgabe und höhere Beiträge für die Sicherungssysteme", erklärt Schleweis. "Das kostet richtig Geld." Bankkunden sollten sich aus Sicht des DSGV-Präsidenten darauf einstellen, dass die Situation erst einmal so bleibt. Trotz steigender Inflation rechnet er noch einige Zeit mit einer Fortsetzung der Nullzinspolitik. Anleger sollten daher aus seiner Sicht auf Sachwerte wie Aktien und Immobilien wechseln, statt ihr Geld weiterhin auf Tagesgeld- oder Girokonten zu parken.

Inflation frisst Vermögen
Schleweis hofft – ähnlich wie die EZB –, dass es sich bei der aktuell hohen Inflationsrate um ein vorübergehendes Phänomen handelt, das von Corona-Nachholeffekten und in Deutschland auch von der Wiederanhebung der Mehrwertsteuer geprägt ist. Dennoch wünscht er sich, dass die EZB ihre Geldpolitik ändert. "Ich bin der Meinung, dass es Zeit wird, die Anleihekäufe zurückzufahren und die Zinslandschaft allmählich wieder zu normalisieren". Immerhin knabbere die Inflation Tag für Tag am Vermögen der Sparer. (fp/ps)