Die Volksbank Raiffeisenbank Fürstenfeldbruck (VR Bank FFB) stellt Tagesgeld-Neukunden seit wenigen Wochen ein "Verwahrentgelt" in Höhe von 0,5 Prozent in Rechnung. Damit hat sie für reichlich Schlagzeilen gesorgt. Als erstes berichtete ein Fernsehsender darüber, dann ging die Nachricht im Lauffeuertempo durch alle Medien. Die Bild-Zeitung sprach von "Sparschweinerei" und einem "Tabubruch". Auch in den sozialen Medien machte sich Empörung breit, dass es nun auch "normale Sparer" treffe. Infolgedessen gingen ungewohnt viele Kundenanfragen bei den 115 VR-Bank-Filialen im Landkreis Fürstenfeldbruck ein. 

"Die letzten Tage waren nicht lustig", sagt Robert Fedinger, seit April vergangenen Jahres Vorstand der VR Bank Fürstenfeldbruck, gegenüber der Süddeutschen Zeitung (SZ). Die bankeigenen Berater konnten den verunsicherten Kunden allerdings rasch erklären, dass sie als normale Sparer nicht betroffen seien: "Den meisten Kunden war das nach zwei Minuten Gespräch klar", zitiert ihn die SZ.

Andere Banken "bestrafen" bisher in der Regel nur Konten mit Einlagen ab 100.000 Euro aufwärts mit Negativzinsen. Die VR Bank FFB berechnet ihren Neukunden seit dem 1. Oktober dieses Jahres dagegen vom ersten Cent an ein "Verwahrentgeld". Bestandskunden müssen zwar keine Strafzinsen auf ihre bisherigen Einlagen zahlen, blechen aber für jeden Euro, um den sie ihre Tagesgeldkonto-Bestände aufstocken. 

Unvermeidliche Reaktion auf EZB-Politik
Angesichts des unerwarteten Medienechos drehte die VR Bank FFB den Spieß einfach um und verbreitete die Marketingbotschaft, sie sei die "erste Bank Deutschlands, die ihre Kunden schützt" – inklusive einer Garantie, dass für Kunden "weiterhin ein unbegrenzter Freibetrag in voller Höhe der bisherigen Einlage" gelte.

Auch bei der benachbarten Sparkasse Fürstenfeldbruck sind Negativzinsen ein Dauerthema, schreibt die SZ in ihrem Artikel. Die Banken seien der Prellbock der Europäischen Zentralbank und ihrer Negativzinspolitik, klagt deren Vorstand Peter Harwalik. Die Sparkasse im Landkreis trifft bislang individuelle Vereinbarungen mit Kunden, die hohe Einlagen deponieren. Im Laufe des vergangenen Jahres sei man gezwungen gewesen, "vermögende Kunden auf das Thema Verwahrentgelt anzusprechen und damit unsere eigenen Aufwendungen weiterzugeben." Die Wirkungen der EZB-Politik ließen sich laut Harwalik andernfalls nicht mehr abfedern. (fp)