Deutschlands Sparer haben es schwer, das ist altbekannt. Doch nun hat das Problem offiziell noch nie da gewesene Dimensionen erreicht. Zum ersten Mal in der Geschichte ist der Zinssatz für Einlagen privater Haushalte mit einer Laufzeit von bis zu einem Jahr bei Kreditinstituten in Deutschland im Durchschnitt unter Null gesunken, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ). Die Zahlen zum Zinssatz gehen aus einer Erhebung des Internetportals "Weltsparen" hervor und basieren auf den Daten der Europäischen Zentralbank (EZB), bei der Banken und Sparkassen die tatsächlich erhobenen Zinssätze für neue Einlagen melden. 

Im Dezember ist der Zinssatz demnach erstmals auch für private Sparer unter null gefallen, er betrug laut den Daten minus 0,01 Prozent. "Ein großer Teil des Geldes, das bei den volumenstarken Banken in Deutschland mit Laufzeiten bis zu einem Jahr liegt, wird einfach mit null Prozent verzinst", sagt Tamaz Georgadze, Chef des Fintechs Raisin, dem Betreiber von "Weltsparen". Nicht nur die gewaltigen Beträge auf Girokonten lägen unverzinst da, auch viele Einlagen auf Tagesgeldkonten. "Daneben gibt es eine kleinere Gruppe von Einlagen, von denen aber jede für sich verhältnismäßig groß ist, für die von privaten Bankkunden tatsächlich Negativzinsen gezahlt werden", sagt Georgadze. Die kleine Zahl großer Einlagen mit Negativzinsen drück also bei einer großen Zahl kleiner Einlagen mit Nullzinsen die durchschnittliche Rate ins Minus, berichtet die FAZ. 

Unternehmen zahlen drauf
Insgesamt verlangen laut dem Verbraucherportal Biallo insgesamt 290 Banken und Sparkassen in Deutschland Negativzinsen auch von Privatkunden. Bei Firmenkunden fordern 360 Kreditinstitute Negativzinsen ein. Der Durchschnittszinssatz für Einlagen von Unternehmen mit einer Laufzeit von bis zu einem Jahr in Deutschland ist schon längere Zeit negativ, aktuell liegt er bei minus 0,42 Prozent, berichtet die FAZ. (fp)