Ein ausbalanciertes Wertpapierportfolio besteht klassischerweise aus Aktien und Anleihen mit guter Bonität, in der Regel sicheren Staatsanleihen. Letztere sollen regelmäßige Zinszahlungen abwerfen und in turbulenten Marktphasen durch Kursgewinne die Verluste auf der Aktienseite ausgleichen. Diese Denke funktioniert allerdings nicht mehr, sagt Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management. "Heutzutage bieten Staatsanleihen weltweit mit ihrer niedrigen Ausgangsverzinsung nur ein geringes Ertrags- und Gewinnpotenzial", erklärt er. Das zwinge Anleger, nach Alternativen zu Staatsanleihen Ausschau zu halten.

In früheren Krisen konnten Investoren Verluste auf der Aktienseite zumindest teilweise über Kursgewinne bei Staatsanleihen kompensieren. In der Coronakrise ging dieses Kalkül nicht auf: In den fünf Wochen des Corona-Crashs im Frühjahr 2020 lag der Gesamtertrag zehnjähriger Anleihen bei minus 0,45 Prozent. Der vermeintlich "sichere Hafen" bescherte Investoren also Verluste. "Zum ersten Mal seit den inflationären 1970-er Jahren waren Staatsanleihen nicht mehr in der Lage, einen Bärenmarkt nennenswert abzufedern", sagt Galler. Denn wegen der Anleihekäufe der Notenbanken lagen die Bond-Renditen bereits vor der Pandemie im negativen Bereich. Spielraum für Kursgewinne gab es nicht mehr.

Firmen-Bonds als Ausweichmöglichkeit
Investoren, die ihr Portfolio breiter diversifizieren und gegen Börsencrashs wappnen wollen, können von Staats- auf Unternehmensanleihen ausweichen, sagt der Kapitalmarktstratege. "Angesichts der kurzfristigen Ungewissheit sollten sich Anleger, die sich erstmals den Unternehmensanleihen zuwenden, dabei auf Segmente mit höherer Qualität konzentrieren", rät er. Auch ein Blick nach Asien könne sich lohnen: Chinesische Staatsanleihen bieten derzeit je nach Laufzeit zwischen zwei und drei Prozent Zinsen und weisen fast keine Korrelation zu globalen Aktien auf. Darüber hinaus könnten sie langfristig von Währungsaufwertungen profitieren. (fp)