Kommt der Crash? Irgendwann ganz sicher – aber nicht so bald, dass Anleger sich von den düsteren Prognosen, die derzeit kursieren, Weihnachten vermiesen lassen sollten, ist Starcapital-Anlageprofi Manfred Schlumberger überzeugt. 

Wer dieser Tage die Wühltische in den Buchhandlungen durchstöbert oder die Spiegel-Bestsellerlisten studiert, mache unweigerlich Bekanntschaft mit einer großen Zahl an Büchern, die wahlweise den größten Crash aller Zeiten, den Megacrash, den Weltsystem-Crash oder die größte Wirtschaftskrise aller Zeiten prognostizieren. "Als Gründe für diese düsteren Prophezeiungen wird ein Sammelsurium von Problemfeldern wie die hohen Verschuldungen bei Staaten und Unternehmen, Negativzinsen, das Platzen der Vermögenspreisblasen angesichts dramatischer Überbewertungen an den Kapitalmärkten und politische Krisen vor dem Hintergrund des neuen 'Kalten Krieges' zwischen den USA und China herangezogen", stellt Schlumberger fest. Wahlweise werde der Horror-Cocktail noch um den Zusammenbruch des Euros, eine gewaltige Flüchtlingswelle oder das Ende des bestehenden Geldsystems ergänzt.

In seinem aktuellen Kommentar nimmt der Starcapital-Experte die populärsten Argumente jener Buchautoren unter die Lupe, die derzeit die Bestseller-Listen bei den Wirtschaftsbüchern anführen. Sein Zwischenfazit: Crashs oder ausgeprägte Durchhänger an den Börsen kommen wesentlich seltener vor, als manche behaupten.

Quelle: Starcapital

Eines der "Totschlagsargumente" der Untergangs-Propheten: Die aggregierten Schulden von Unternehmen, Staaten, Banken und privaten Haushalten, die in den vergangenen zehn Jahren um fast 40 Prozent auf über 250 Billionen US-Dollar gestiegen sind. Wenn die Zinsen steigen, drohe der Zusammenbruch, lautet die gängige Argumentation der selbsternannten Crash-Apologeten. Laut Schlumberger greift dieser Gedanke zu kurz. So sei die Verschuldung der privaten Haushalte in den wichtigsten Industrieländern gesunken, in Europa und den USA sei die Sparquote sogar gestiegen. "Gleichzeitig führt die Demographie über ein nachlassendes Wirtschaftswachstum zu einem langfristigen Rückgang der privaten Investitionen und einem Anstieg der Ersparnisse auf Unternehmensebene", erklärt der Anlageprofi.

Hohe Bewertungen begründen keinen Crash
Auch die hohen Bewertungen auf dem Aktienmarkt sind für Schlumberger nicht per se ein Grund zur Sorge. Er verweist auf das sogenannte Shiller-KGV, also den Kurs in langfristiger Relation zum durchschnittlichen Ertrag der vergangenen zehn Jahre. Der Vergleich über die Jahre zeige, dass das aktuelle Shiller-KGV in allen Regionen niedriger sei als vor den Rezessionen in den Jahren 2000 und 2007. "Grundsätzlich löst allein eine hohe Bewertung ohne einen Katalysator für beispielsweise steigende Zinsen keine Korrektur aus", sagt Schlumberger.

Auch der über Zölle ausgetragene Machtkampf zwischen den USA und China dürfte die Welt nicht ins Verderben schicken. "Wir gehen davon aus, dass es zu einem Waffenstillstand bis zu den US-Präsidentschaftswahlen Ende nächsten Jahres kommen wird", sagt der Anlageprofi. Zwar wird die Rivalität zwischen den beiden größten Volkswirtschaften in den kommenden Jahren viel Unsicherheit bringen. "Aber wir erinnern uns: Deutschland stand noch bis vor 30 Jahren an der vordersten Front des Kalten Krieges zwischen den Atommächten USA und Sowjetunion."

Das zweifelhafte Treiben der "Crash- Gurus" charaktersisiert Schlumberger zum Abschluss mit einem Zitat des britischen Philosophen Bertrand Russel: "Das Elend der Welt liegt hauptsächlich darin begründet, dass die Dummen so selbstsicher und die Klugen so voller Selbstzweifel sind!“ (fp)