Die Deutschen wechseln ihre Bank laut Statistiken normalerweise ungern bis nie – obwohl das Prozedere dank EU-Vorschriften inzwischen weit weniger bürokratisch abläuft als noch vor wenigen Jahren. Doch sobald es ums Thema "Strafzinsen" geht, ist Schluss mit der Loyalität zur Hausbank, zeigen Zahlen aus einer aktuellen Umfrage des Vermögensverwalters J.P. Morgan Asset Management.

Unter den rund 2.000 Befragten gaben 60 Prozent an, sie würden die Bank sofort wechseln, wenn diese mit einem sogenannten "Verwahrentgelt" oder einer "Guthabengebühr" droht, wie zahlreiche Geldhäuser den Extra-Obolus euphemistisch gerne nennen. Nur rund ein Viertel der Deutschen würde die Strafzinsen klaglos hinnehmen, also ohne zu handeln.

Die Einschläge kommen näher. Seit Juni 2014 müssen die Geldhäuser bei der Europäischen Zentralbank (EZB) einen Negativzins von 0,5 Prozent für ihre Einlagen berappen, die sie dort parken. Immer mehr Banken und Sparkassen geben aus der allgemeinen Ertragsnot, aber auch aus individueller Einfallslosigkeit, was die Generierung von Neugeschäft betrifft, die Belastung vergleichsweise ungeniert an Kunden weiter. Zunächst waren nur Geschäftskunden betroffen, allerdings bitten viele Banken inzwischen auch Privatkunden zur Kasse – und das mittlerweile ab überschaubaren Summen.

Hemmschwelle sinkt
Die Freibeträge rutschen weiter talwärts: Die Guthabengrenze, ab der Institute Strafzinsen erheben, liegt häufig nicht mehr bei 100.000 Euro, wie zu Beginn der Strafzinswelle. Inzwischen müssen zumindest Neukunden häufig schon für Guthaben ab 50.000 Euro oder noch weniger auf Giro- oder Tagesgeldkonto Zinsen zahlen, statt welche zu bekommen, heißt es vonseiten J.P. Morgan AM. 

Die von vielen Verbrauchern gewählte Lösungsidee scheint nur auf den ersten Blick clever zu sein: 27 Prozent der befragten Deutschen würden die Strafzinsen umgehen wollen, indem sie ihre Ersparnisse auf verschiedene Banken aufteilen. Doch was, wenn sich die Strafzinswelle zum Tsunami auswächst?

Einstieg in den Kapitalmarkt? Fehlanzeige!
An ihrem generell wenig zeitgemäßen Anlageverhalten wollen jedenfalls bislang nur die wenigsten etwas ändern, sobald ihre Bank sie extra zur Kasse bittet: Die Umfrage ergab nämlich auch, dass nur ungefähr jeder zehnte Deutsche als Reaktion auf die Strafgebühr einen Teil seiner Ersparnisse am Kapitalmarkt investieren würde.

Dabei könnten Negativzinsen der richtige Anstoß für Anlageeinsteiger sein, betont J.P.Morgan-Asset-Management-Geschäftsführer Matthias Schulz: "Auch wenn man bei Kapitalmarktanlagen mit einem etwas höheren Risiko rechnen muss, ermöglichen sie über mittel- bis langfristige Zeiträume einen Kapitalzuwachs und damit das Erreichen der Anlageziele." (fp/ps)