Das Portfoliomodell, das einen Anteil von 60 Prozent in Aktien und 40 Prozent in Anleihen investiert, ist trotz aller Widrigkeiten nicht tot. Dies meint Duncan Lamont, Leiter Strategic Research bei der Fondsgesellschaft Schroders. Vielmehr lasse sich die Investmentstrategie mit ein paar Anpassungen sogar gegen die Bedrohung einer Stagflation wappnen. Diese gilt als Umfeld, das für Aktien wie Anleihen gleichermaßen schlecht ist.

Denn Verbraucher und Unternehmen fahren in diesem Szenario die Ausgaben zurück. Eine hohe Inflation verschärft das Problem, da sich höhere Einkaufspreise nicht an die Kunden weiterreichen lassen. Die Gewinne geraten unter Druck und damit auch die Aktienkurse. Bei Anleihen wiederum mindert die hohe Inflation den Wert der Kupons. Anleger pochen angesichts der Inflation auf eine höhere Rendite und die Bondkurse fallen.

Nicht vorschnell abschreiben
"Diese doppelte Belastung hat zur Folge, dass Anleihen die risikoreduzierende Rolle neben Aktien weniger zuverlässig erfüllen können", folgert Lamont. "Die Korrelation zwischen Aktien und Anleihen ist tendenziell eher positiv als negativ, wenn Inflation der treibende Faktor an den Märkten ist – sie fallen und steigen dann gemeinsam." Dennoch sollte ein 60/40-Portfolio "nicht vorschnell abgeschrieben werden", meint der Schroders-Stratege.

Er verweist auf die Historie. So hätten seit 1926 gemessen Aktien im Mittel in einem Stagflationsjahr nach Abzug der Teuerung eine Rendite von null Prozent erzielt. "Das ist weniger, als Investoren langfristig von Aktien erwarten würden – aber in einem Hochinflationsumfeld ist eine Rendite nahe der Inflation kein schlechtes Ergebnis", meint Lamont. Aktien hätten zudem Geldmarktanlagen übertroffen.

Duration verkürzen
Auch langlaufende Staatsanleihen hätten in Stagflationsjahren Schwierigkeiten. In der Folge schneide das 60/40-Portfolio in Stagflationsjahren schwächer ab als in anderen Umfeldern. "Bemerkenswert ist jedoch, dass die 60/40-Strategie über die Stagflationsjahre hinweg eine höhere Medianrendite erzielt hat als Aktien oder Anleihen allein", gibt der Stratege zu bedenken. "Die Diversifizierungsvorteile sind weniger zuverlässig – aber sie verschwinden nicht vollständig."

Mit ein paar Verbesserungen ließe sich das klassische Modell zudem noch für das Szenario einer Stagflation anpassen. So lasse sich über eine einfache Verkürzung der Duration des Rententeils das Abwärtsrisiko des Gesamtportfolios bereits deutlich reduzieren. "Die historische Analyse zeigt, dass der Einsatz von fünfjährigen Staatsanleihen anstelle von langlaufenden Anleihen die Risiko-Rendite-Dynamik verbessert hat", so Lamont.

Qualität setzt sich durch
Zudem zeige eine Analyse historischer Aktienentwicklungen, dass bei den Anlagestilen Qualitätstitel in Umfeldern mit schwachem Wachstum und hoher Inflation vergleichsweise gut abschneiden. "Quality hatte in den letzten Jahren eine schwierige Performance – aber es gibt ein starkes Argument, diesen Stil angesichts der aktuellen makroökonomischen Kräfte höher zu gewichten", meint der Investmentprofi. Auch Substanzwerte (Value) hätten Wachstumswerte (Growth) in solchen Phasen übertroffen.

Generell würden Unternehmen mit konservativer Investitionsstrategie in Stagflationsphasen besser abschneiden. Da derzeit der globale Aktienmarkt von Unternehmen aus dem Wachstumsbereich dominiert werde, die zudem enorme Investitionen eingeleitet haben, seien Indexinvestoren stark exponiert.

Grundgüter als Alternative
Sollte die Weltwirtschaft in Richtung eines schwachen Wachstums und hoher Teuerungsraten driften, empfiehlt Lamont neben einer verkürzten Duration bei Anleihen und der Ausrichtung auf Qualitäts- und Value-Titel noch Engagements im Energiesektor sowie in defensiven Branchen. Auch der Griff zu Goldaktien sowie zu Rohstoffen und Hedgefonds sei eine Option, um das klassische 60/40-Portfolio gegen eine Stagflation zu wappnen. (fp)