Strategin: "Eine der größten makroökonomischen Wetten der Geschichte"
Trotz höherer Zinsen steigen die Aktienmärkte weitgehend unbeeindruckt. Für Kapitalmarktstrategin Ann-Katrin Petersen von Blackrock ist das kein Widerspruch, sondern Zeichen eines neuen Makroregimes.
Der Zusammenhang von Aktien und Anleihen hat sich verändert. Historisch belasteten höhere Anleiherenditen oftmals die Aktienmärkte. Und sinkende Aktien ließen die Anleihenkurse steigen. Beide Zusammenhänge greifen heute weniger verlässlich, sagt Ann-Katrin Petersen, Leiterin Kapitalmarktstrategie bei Blackrock Deutschland, Österreich, Schweiz und Osteuropa.
Neues Makroregime
Ihrer Meinung nach muss nicht zwangsweise einer der beiden Märkte falsch liegen. Vielmehr habe sich das makroökonomische Umfeld grundlegend verändert, sagt Petersen: "Heute prägen Angebotsengpässe die Wirtschaft. Arbeitskräfte sind knapper, Energiesicherheit hat an Gewicht gewonnen, Lieferketten werden widerstandsfähiger statt allein effizienter gebaut. Staaten investieren in Infrastruktur, Verteidigung und Industriepolitik."
In einem solchen Umfeld hänge Wachstum zunehmend von Produktionskapazitäten ab – und Zentralbanken können zwar die Nachfrage bremsen, aber keine Arbeitskräfte, keine Energie und keine Halbleiter schaffen. So gesehen könnte der scheinbare Bruch historischer Korrelationen weniger ein Marktversagen als vielmehr Ausdruck eines neuen Makroregimes sein, erklärt die Blackrock-Strategin.
Hohe Renditen spiegeln Kapitalbedarf
Petersen sagt: "Höhere Renditen müssen für Aktien nicht zwangsläufig negativ sein. Sie spiegeln neben hartnäckigem Inflationsdruck einen strukturell höheren Kapitalbedarf: Steigende Staatsverschuldung und der Wettbewerb um Kapital im KI-Boom treiben die Finanzierungskosten." Treffen höhere Kapitalkosten auf steigende Produktivität und höhere Gewinne, können Aktien zugleich profitieren. "Genau das scheint eingepreist – Aktienanleger gehen damit wohl eine der größten makroökonomischen Wetten der Geschichte ein." (jh)













