Was geschieht mit dem digitalen Nachlass Verstorbener? Die Frage ist selbst für Kenner der Juristerei nicht ganz leicht zu beantworten – und angesichts aktueller Rechtssprechungen permanentem Wandel unterworfen. Am vergangenen Donnerstag beispielsweise urteilte der Bundesgerichtshof (BGH), dass die Eltern einer verstorbenen 15-Jährigen Zugriff auf deren Facebook-Konto erhalten dürfen. Der Richterspruch gilt als Grundsatzurteil, das auch für andere Internetdienste außerhalb von Facebook gilt. Erben könnten es deshalb künftig leichter haben, auch an das Kryptowährungs-Vermögen verstorbener Angehöriger zu gelangen oder Zugriff auf deren Paypal-Konto zu erhalten. 

Ein aktueller Fall gibt der Debatte, wie Erben an den virtuellen Nachlass kommen können, neuen Schub: Vor wenigen Monaten waren Berichte zum Tod des US-Milliardärs Matthew Mellon durch die Medien gegangen: Dieser hatte früh in die Kryptowährung Ripple investiert und seine persönlichen digitalen Zugangsschlüssel aus Angst vor illegalen Hackerangriffen in Bankschließfächern in verschiedenen Teilen der Welt und den USA deponiert. Seine Erben hatten somit keinen Zugriff auf geschätzte 250 Millionen US-Dollar. Der Fall hatte Fragen zum rechtlichen Umgang mit dem sogenannten digitalen Erbe aufgeworfen.

Generell gebe es mehrere Möglichkeiten für Erblasser, ihre digitalen Währungsschätze nach ihrem Tod weiterzureichen, berichtet die "Süddeutsche Zeitung" (SZ): Halten sie ihr Vermögen auf einer Kryptobörse im Internet, können Nachkommen mit einem Erbschein oder Testament die Plattformen zur Herausgabe veranlassen. Doch das dürfte nur bei einem Krypto-Handelsplatz mit deutschem Sitz vergleichsweise unproblematisch durchzuführen sein. Das Risiko, dass die digitalen Konten nach dem Tod des Besitzers lange Zeit unentdeckt und damit unerlaubten Angriffen gegenüber offen bleiben, ist auch hier enorm. "Börsen sind wie ungesicherte Banken“, sagt Pamela Morgan, eine Anwältin, die sich aufs Krypto-Vererben spezialisiert hat, gegenüber der SZ.

Achtung: Fiskus kassiert mit!
Wer als Inhaber umfangreicher Kryptobestände auf Nummer sicher gehen will, sollte sein virtuelles Vermögen besser in Form einer eigenen Wallet halten, einer Art digitalem Portemonnaie. "Die Zeichenfolge des digitalen Schlüssels dazu können Erblasser ins Testament schreiben oder in ein Bankschließfach legen, das im Testament erwähnt ist", schreibt die SZ. Wer den Bankmitarbeitern oder dem Notar misstraut, kann den Schlüssel zusätzlich mit einem Passwort absichern, das man einem zweiten Notar geben könnte.

Doch selbst die beste Vorsorge für den Erbfall nutzt wenig, wenn das Finanzamt von dem Krypto-Erbe Wind bekommt. Denn was das Kryptovermögen in Euro wert ist und auf welchen Betrag Erbschaftsteuer fällig wird, richtet sich nach dem Wechselkurs zum Todeszeitpunkt des Verstorbenen.

Für den ungünstigen Fall, dass der Erblasser beispielsweise auf dem Gipfel der Bitcon-Manie im vergangenen Dezember verstarb, müssten die Erben heute, nach dem tiefen Absturz der digitalen Devise, beträchtliche Summen zahlen. "Unter Umständen kann das große Teile des Erbes auffressen“, zitiert die SZ den auf Bitcoin spezialisierten Anwalt Benjamin Kirschbaum von der Steuerkanzlei Winheller.  (fp/ps)