Europas Banken laufen ernsthaft Gefahr, den Anschluss an ihre internationalen Wettbewerber zu verlieren. Von 2013 bis 2017 haben sie Verluste von 465 Milliarden Euro angehäuft – alleine 71 Milliarden davon 2017 – wohingegen ihre US-Rivalen zur gleichen Zeit Gewinne abzüglich Risiko- und Kapitalkosten von 195 Milliarden Euro erwirtschafteten. Zu diesem betrüblichen Ergebnis kommt der aktuelle Global Risk Report der Strategieberatung Boston Consulting Group (BCG). Er basiert auf Auswertungen der Jahresberichte von mehr als 350 Retail-, Geschäfts- und Investmentbanken weltweit, die in Summe mehr als 80 Prozent des weltweiten Bankenmarktes abdecken.

Auf dem alten Kontinent hält die strukturelle Misere demnach an: "Speziell die europäischen Banken stehen unter Druck“, sagt BCG-Studienautor Gerold Grasshoff. "Sie haben auch nach mehr als zehn Jahren den Weg aus der Krise noch nicht gefunden.“ Die Spätfolgen schlagen gewaltig ins Kontor: Die Strafzahlungen europäischer und amerikanischer Banken wegen nachgewiesenen Fehlverhaltens bei der Vergabe von Hypothekenkrediten in den USA, Verstößen gegen Geldwäschebestimmungen sowie Marktmanipulationen beliefen sich von 2009 bis 2018 weltweit auf insgesamt 372 Milliarden Dollar. Auf Europas Banken entfallen demnach Strafen und Entschädigungen in Höhe von 145 Milliarden, auf amerikanische Institute 226 Milliarden Dollar.

Im Gegensatz zu ihren nordamerikanischen Herausforderern haben Europa Konzerne vor allem mit niedrigen Zinsen sowie der Bereinigung ihrer Bilanzen um notleidende Kredite zu kämpfen – unter anderem, weil eine Rekapitalisierung nach der globalen Finanzkrise weniger schnell und umfangreich erfolgt sei als in Nordamerika und dadurch entsprechende Abschreibungen erschwert würden.

Banken-Welt der drei Geschwindigkeiten
Die Musik im globalen Banking spielt dennoch längst woanders, und zwar vor allem in den Schwellen- und Entwicklungsländern: "Insgesamt bleibt die globale Bankenlandschaft eine Welt dreier Geschwindigkeiten“, fasst Grasshoff zusammen. "Die Wertschöfung europäischer Banken ist weiterhin negativ. Nordamerika und Asien versuchen, das Niveau zu halten, und die Entwicklungsmärkte in Südamerika, dem Nahen Osten und Afrika zeigen hohe Profitabilität.“ (fp/ps)