Die lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) hat die Vermögensverhältnisse in Deutschland kaum verändert, sondern eher zementiert. Darauf deutet eine Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hin. Wer ein niedriges Einkommen hat, ist auf risikoarme Anlageformen wie Sparkonten angewiesen, so zumindest die gängige These. Weil diese im Niedrigzinsumfeld praktisch nichts mehr abwerfen, wurden der Vermögensaufbau und die Altersvorsorge für die betroffenen Haushalte in den vergangenen Jahren immer schwieriger.

Von der Niedrigzinspolitik konnte vor allem eine Gruppe profitieren, schreibt die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ): Haushalte, die vor den diversen Krisen der vergangenen Jahre eine Immobilie gekauft und fremdfinanziert haben. Sie konnten laut Studie dank fallender Zinsen ihre Kreditkosten senken und zugleich von steigenden Immobilienpreisen profitieren. Wer bloß die Familienkutsche oder andere private Gebrauchsgüter auf Pump finanzierte, hate indes das Nachsehen. "Während viele Haushalte im Vergleich zur Vorkrisenzeit nun günstigere Finanzierungskosten und höhere Immobilienpreissteigerungen verzeichnen können, sind diese Effekte für Haushalte, die keine Immobilie besitzen oder die aktuell in den Immobilienmarkt einsteigen, trotz günstiger Finanzierungsbedingungen weniger vorteilhaft", heißt es in der Studie.

Aktienkultur voranbringen
Die Wirtschaftsexperten des IW gehen davon aus, dass die Zinsen auch in der kommenden Zeit höchstens leicht steigen. Es sei deshalb wichtig, ganz gezielt den Vermögensaufbau der von den Niedrigzinsen negativ betroffenen Haushalte zu unterstützen, schreiben sie. Konkret fordern sie eine Anpassung der Arbeitnehmersparzulage. Die Aktienkultur müsse konsequenter gefördert werden. (fp)