Die Anzahl der Robo-Berater in Deutschland wird nicht endlos steigen. Im Gegenteil, es gibt bereits unverkennbare Anzeichen für eine beginnende Konsolidierung. Auch das verwaltete Vermögen wächst langsamer als zunächst erwartet. Das berichtet das "Handelsblatt" unter Berufung auf eine Analyse der Unternehmensberatung Oliver Wyman, die unter anderem ursprünglich davon ausgegangen war, dass die Bestände der Robos in diesem Jahr zehn Milliarden Euro erreichen werden. Nun geht man nur noch von fünf bis sechs Milliarden Euro aus.

Die Studie schätzt – wie auch andere Untersuchungen – dass von den derzeit rund 40 Anbietern am Ende rund ein Dutzend Online-Vermögensverwalter den Markt unter sich aufteilen werden. Einige wie der der digitale Vermögensverwalter Prospery oder der Anbieter Werthstein haben bereits aufgegeben.

Matthias Hübner, Partner bei Oliver Wyman, sieht der Wirtschaftszeitung zufolge mehrere Gründe für die allmähliche Ernüchterung. Vor allem hätten viele Anbieter die Bedeutung einer bekannten Marke und die Kosten für die Kundengewinnung unterschätzt. Branchenkenner schätzen, dass nur jeder 40. Interessent tatsächlich ein Depot bei einem Robo eröffnet. 

Hybrides Erfolgsmodell
Start-ups hätten am ehesten eine Chance, sich zu etablieren, wenn sie mit einer Bank kooperieren. Das bekannteste Beispiel ist Scalable Capital: Der Branchenprimus arbeitet mit der Direktbank ING zusammen. Allerdings gibt es nicht viele kuschelige Plätze an der Seite einer Bank, da die meisten selbst Robos im Sortiment haben. Beispiele sind Robin von der Deutschen Bank, Cominvest von der Commerzbank-Tochter Comdirect, Bevestor von der Deka aus der Sparkassengruppe und Visualvest von der genossenschaftlichen Union Investment. Allerdings würden einige Banken die Robos aus Angst vor einer Kannibalisierung ihres ertragreicheren traditionellen Geschäfts gar nicht groß bewerben, sagt Hübner dem Handelsblatt.

Das Erfolgsmodell der Zukunft werde nach Ansicht Hübners ohnehin ein hybrides Modell aus automatisiertem Anlageprozess und "menschlicher Interaktion" wie Telefonaten und Chats sein. Der Grund: Viele Anleger möchten immer noch einen Ansprechpartner haben: um technische Hilfe zu bekommen, Meinungen auszutauschen oder Rat einzuholen. Hinzu komme, dass die Robos sich erst noch bei anhaltenden Markteinbrüchen bewähren müssten. (jb)