Anleger sollten von dem Gedanken verabschieden, dass sich die Zinspolitik der Notenbanken irgendwie vorhersagen lässt. Das habe die Abkehr der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) von ihrer nur kurz andauernden restriktiveren Geldpolitik einmal mehr deutlich gemacht, sagt Lutz Neumann, Leiter Vermögensverwaltung der Hamburger Sutor Bank. "Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und damit einhergehend die Zinspolitik der Notenbanken können sich jederzeit aufs Neue verändern – wer versucht, seine Anlage daran auszurichten, verpasst Rendite", sagt der Vermögensprofi.

Aus dem risikolosen Zins sei längst ein zinsloses Risiko geworden. Anleger sollten ihr Portfolio daher deutlich stärker mit einem renditeorientierten Investment durchmischen, rät der Experte. Am besten gelinge das mit einem Mix aus Aktien und festverzinslichen Wertpapieren. "Mit einem klassischen Aktien-Anleihen-Portfolio sind Anleger langfristig gut aufgestellt, unabhängig von kurzfristig sich verändernden Marktsituationen", sagt Neumann.

Zinswende lässt auf sich warten
Die Zinsen dürften noch länger tief bleiben. Das schwache Wirtschaftswachstum in der Eurozone, der nachlassende Inflationsdruck sowie die Zweifel an der Haushaltsdisziplin der Italiener und Franzosen zwingen die Europäische Zentralbank (EZB) zu einer weiteren Verschiebung der Zinswende. In den USA sieht die Lage kaum anders aus. Dort machen sich nicht nur Analysten und Unternehmen Sorgen über einen bevorstehenden Abschwung, auch die Fed beobachtet die Lage sehr genau. Sie hat jüngst verkündet, vorerst auf weitere Zinserhöhungen verzichten zu wollen. (fp)