Bis vor kurzem waren sich die Analysten einig, dass eine Straffung der Geldpolitik in den USA das dominante Thema der Finanzmärkte im Jahr 2015 sein wird. Derzeit machen jedoch die Zentralbanken in Europa Schlagzeilen. Ein Anleihekaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB) wurde zwar erwartet, der Umfang des angekündigten Programms überstieg jedoch die Schätzungen der Analysten. Wie die meisten Beobachter hatten auch die Experten von Swiss Life Asset Management keine Kursänderung der Schweizerischen Nationalbank (SNB) erwartet. Im neuen Umfeld nach der Aufhebung des Mindestkurses haben sie nun alternative Szenarien für die Rendite auf Staatsanleihen per Ende des laufenden Jahres entworfen.

In einem ersten Szenario mit einem Euro-Franken-Wechselkurs von 1,00 erwartet Swiss Life Asset Management eine Rendite auf zehnjährige Schweizer Staatsanleihen von etwa 0,0 Prozent per Ende 2015, während die Rendite deutscher Staatspapieren durch die Käufe der EZB leicht nach unten korrigieren dürften. In einem zweiten Szenario rechnen die Finanzmärkte mit noch mehr Anleihekäufe der EZB als bisher angekündigt, was den Euro weiter schwächen würde. Dies würde die SNB zwingen, die Zinsen weiter zu senken, auf minus zwei Prozent, und die Rendite auf zehnjährigen Eidgenossen würde auf minus 0,5 Prozent fallen.

Erholung in der Eurozone dürfte sich fortsetzen
Im Basisszenario des Fondsanbieters steigt der Euro-Franken-Wechselkurs auf 1,05 und der Dollar-Franken-Wechselkurs auf 0,95, weil sich die Erholung in der Eurozone fortsetzt und die griechische Politik die Reformen in anderen Staaten nicht aufhält. In solch einem Umfeld erwarten die Swiss-Life-Analysten keine Zinsschritte der SNB, und die Rendite zehnjähriger Eidgenossen dürfte per Ende des Jahres auf mindestens 0,10 Prozent ansteigen. (fp)