Die Europäische Zentralbank (EZB) wird im Januar mit Käufen von Staatsanleihen zur Bekämpfung von Deflation beginnen, während die US-Notenbank ihre geldpolitische Wende weiter sachte vorbereitet. Vor diesem Hintergrund geben die Experten der Schweizer Fondsgesellschaft Swisscanto in einem Kommentar ihre aktuellen Investmenteinschätzungen ab.

Start ins Jahr 2015: Der Bulle kommt doch noch nach Europa
Grundsätzlich gelte: Die Geldpolitik der wichtigsten Notenbanken ist nach wie vor extrem locker. Derartige Geldfluten sprechen weiterhin für ein Engagement bei riskanten Vermögensanlagen. Aufgrund der hohen Risikoprämien sind Aktien nach Meinung von Swisscanto im Jahr 2015 im Vergleich zu Anleihen voraussichtlich die bessere Wahl. Das 4. Quartal 2014 habe jedoch bereits einen deutlichen Vorgeschmack auf zunehmende Aktien-Volatilitäten gegeben, die wohl auch im Jahr 2015 unser ständiger Begleiter sein werden. Aus den USA sei die positive Wirkung diverser QE-Programme auf die Kursentwicklung von Aktien gut bekannt. Dieser Effekt könne laut Swisscanto auch in Europa erwartet werden, wo viele Unternehmen zudem Rückenwind durch den schwachen Euro bekommen. Daher würden sie auch ihr Übergewicht bei europäischen Aktien beibehalten.

Wachstumsaussichten: Große Divergenzen
Die Weltwirtschaft wächst im Jahr 2015 gemäß aktuellen Schätzungen mit gut drei Prozent geringfügig stärker als im ablaufenden Jahr. Der Löwenanteil des Wachstums werde auf die USA entfallen, während sich Europa weiter an den Spätfolgen der europäischen Schuldenkrise wie hoher Arbeitslosigkeit und drohender Deflation abarbeitet. Die EZB werde daher alles geben, um die Eurozone auf einen soliden Wachstumspfad zurückzubringen. Die Schweizer Wirtschaft könne wiederum mit einem Wachstum von zwei Prozent rechnen. In China lasse die Wachstumsdynamik auch 2015 leicht nach (7,2% nach 7,5%); Japan befinde sich in der Rezession.
 
Absturz beim Öl und beim Rubel
Extrem markante Kursbewegungen verzeichneten zuletzt das Öl und der russische Rubel. Die Opec-Staaten fördern unverändert viel Öl - der fortgesetzte Angebotsüberhang führte für die Sorte Brent zeitweilig zu einem Preisverfall bis unter 60 US-Dollar pro Fass. Mit einem derartigen Ausverkauf hatten die Experten von Swisscanto nicht gerechnet. Als Folge der Öl-Abhängigkeit der russischen Wirtschaft sei der Rubel unter massiven Abwertungsdruck geraten – abermals verstärkte Sanktionen der USA gegen Russland sorgten für noch mehr Unsicherheit. Russlands Bürger plünderten aus Angst vor weiteren Rubel-Abwertungen ihre Konten und kauften Sachwerte. Russland drohe somit eine Abwärtsspirale von schwacher Währung, hohen Zinsen und tiefer Rezession.
 
Anleihen: Renditen sicherer Staatsanleihen nochmals tiefer
Sichere Staatsanleihen seien abermals gefragt gewesen. Die Renditen von Schweizer Eidgenossen und deutschen Bundesanleihen sanken auf neue historische Tiefstände. Wegen starker Kapitalzuflüsse habe die Schweizerische Nationalbank (SNB) zur Verteidigung der Frankenuntergrenze gegen Euro sogar Negativzinsen für Einlagen der Geschäftsbanken eingeführt. Dieses Vorgehen werde von der EZB bereits seit einigen Monaten praktiziert - im Schweizer Franken ist Kassenhaltung der Geschäftsbanken also jetzt wieder genauso unattraktiv wie im Euro. Bei Hochzinsanleihen aus dem Unternehmensbereich werfe das erwartete Auseinanderdriften der Geldpolitik in den USA und Europa seine Schatten bereits voraus: US-Credit performte deutlich schwächer als die europäischen Pendants.
 
Währungen: Aufwertungserwartung beim US-Dollar weniger ausgeprägt
Ihre Währungspositionen hat die Fondsgesellschaft unverändert beibehalten. Die Long-Position im US-Dollar lohne sich weiterhin; dagegen sei die norwegische Krone wegen der fallenden Ölpreise unter Druck geraten. (jb)

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