Am 29. März ist Stichtag: Läuft alles nach den aktuellen Planungen, dann wird an diesem Tag der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union (EU) endgültig besiegelt. Nachdem sich zuletzt die Aussichten für das von Premierministerin Theresa May ausgehandelte Austrittsabkommen verbessert haben, geht Quentin Fitzsimmons, Rentenportfolio-Manager und Brexit-Experte bei T. Rowe Price, davon aus, dass der Plan doch noch aufgeht. Der Brexit könnte dann Ende März tatsächlich stattfinden. Der Experte sieht noch drei weitere Ausgangsmöglichkeiten, die er zwar für unwahrscheinlich hält, aber nicht für völlig undenkbar. Denn nach wie vor ist in Sachen Brexit noch nichts ein Stein gemeißelt. 

Fitzsimmons schätzt mit einer Eintrittswahrscheinlichkeit von 50 Prozent, dass das britische Parlament der modifizierten Version des Austrittsabkommens nun doch noch zustimmen wird. Ein solcher Brexit würde die Kreditmärkte zwar treffen, "schafft aber auch Investitionsmöglichkeiten bei Unternehmensanleihen, deren Bewertungen im Verhältnis zur Fundamentalqualität zu weit gefallen sind", sagt der Experte. Der britische Aktienmarkt hingegen hätte in den vergangenen Monaten bereits in Vorahnung des Deals abgewertet. 

Markt ist auf ungeordneten Brexit vorbereitet
Das Pfund Sterling, der Stoßdämpfer der britischen Wirtschaft, "wird vermutlich an Wert verlieren", sagt Fitzsimmons. Je nachdem, wie schnell im Falle eines Austritts das Vertrauen in die Wirtschaft wiederhergestellt wird, fällt auch die Höhe der Währungsverluste aus. Der Brexit-Experte schätzt, dass sich die Wirtschaft schneller erholt als viele erwarten. Eben dann "könnte jede Schwäche des Pfunds oder britischer Assets kurzlebig sein", sagt er. 

Kommt es nicht zum harten Brexit, dann wäre die Zustimmung zu einer Verlängerung des Artikel 50 seitens der EU am wahrscheinlichsten. Damit bekäme die britische Regierung mehr Zeit, neue Vereinbarungen auszuhandeln. Die britischen Wähler könnten in einem zweiten Referendum erneut abstimmen. Einen No-Deal-Brexit, in dem Großbritannien die EU ohne Übergangsregelungen und -zeitraum verlässt, hält Fitzsimmons für unwahrscheinlich, genau wie vorgezogene Neuwahlen. (fp)