Der Technologiesektor wird für Investoren zunehmend attraktiver, da die Bewertungen unter das Niveau des breiteren Aktienmarkts gefallen sind. Das geht aus einer Analyse von Goldman-Sachs-Strategen hervor.

Die jüngste Underperformance des Sektors eröffne neue Chancen, da "die Bewertung im Verhältnis zum erwarteten Konsenswachstum unter die des globalen Gesamtmarkts gefallen ist", schrieb ein Team um Peter Oppenheimer in einer am Dienstag (7.4.) veröffentlichten Studie. Ein nachhaltiger wirtschaftlicher Schock infolge des Iran-Kriegs könnte den Sektor zusätzlich begünstigen, da die Cashflows von Technologieunternehmen weniger stark von der Konjunktur abhängen, so die Strategen.

Rücksetzer nach Rekordständen
Technologieaktien hatten im vergangenen Oktober Rekordhöhen erreicht, gestützt durch starkes Umsatzwachstum, hohe Gewinne und dominante Marktpositionen. Seither sind die Kurse zurückgegangen, unter anderem wegen Bedenken über stark steigende Investitionen in künstliche Intelligenz.

Große Cloud-Anbieter haben Ausgaben von mehr als 700 Milliarden US-Dollar für Rechenzentren angekündigt. Zudem kam es zu einer Umschichtung in Sektoren mit weniger anspruchsvollen Bewertungen.

Investoren bleiben vorsichtig
Investoren sorgen sich sowohl um die Renditen dieser hohen Investitionen als auch um die potenziell disruptive Wirkung von KI auf bestehende Geschäftsmodelle, sagte Oppenheimer. Die zunehmende Abhängigkeit von Rechenleistung bedeute zudem, dass zukünftiges Wachstum stärker an physische Infrastruktur gebunden sei.

Old Economy rückt in den Fokus
Gleichzeitig wurden sogenannte "Old Economy"-Aktien neu bewertet, da Anleger höhere Investitionen in Energieversorgung und Infrastruktur erwarten, die für den Ausbau von Rechenzentren notwendig sind.

Ein Goldman-Sachs-Index kapitalintensiver "HALO"-Aktien – darunter Versorger und Industrieunternehmen – legte seit Jahresbeginn um elf Prozent zu. Dabei handelt es sich um Unternehmen, die vom Ausbau von Infrastruktur rund um neue Technologien wie künstliche Intelligenz profitieren, etwa durch steigenden Bedarf an Energie, Baukapazitäten und technischer Infrastruktur.

"Diese Faktoren haben im Technologiesektor eine Chance eröffnet, da die Wachstumsraten weiterhin hoch sind, die Bewertungen jedoch inzwischen niedrig ausfallen", sagte Oppenheimer. Technologieunternehmen verzeichneten weiterhin starke Gewinne, positive Gewinnrevisionen und eine hohe Eigenkapitalrendite. (mb/Bloomberg)