Tech-Giganten treiben US-Börsen – der Rest hinkt hinterher
Tech-Aktien beflügeln die US-Börsen auf Rekordkurs, während der übrige Markt zurückbleibt. Experten warnen vor spekulativen Übertreibungen – und sehen Parallelen zu früheren Phasen einseitiger Rallys.
Technologie-Schwergewichte haben die US-Leitindizes in diesem Monat auf neue Rekorde getrieben, während der übrige Markt hinterherhinkt – nicht zum ersten Mal. Es sei verständlich, wenn Händler das Gefühl haben, dieses Szenario schon einmal erlebt zu haben, schreibt "Bloomberg".
Das Besondere an der aktuellen Konstellation ist die Geschwindigkeit, mit der die Marktführer gestiegen sind. Das hat die Kluft zu zahlreichen anderen Aktien vergrößert, die ihre Verluste aus dem Iran-Krieg noch nicht wieder wettgemacht haben.
Chip-Rally sorgt für Skepsis bei Investoren
Ein Beleg dafür ist die aggressive Aufwärtsbewegung bei Chip-Aktien, die Michael Burry, der mit seiner Wette gegen den US-Immobilienmarkt zur Filmlegende ("The Big Short") wurde, dazu veranlasste, Put-Optionen zu kaufen, die von einem Rückgang des iShares Semiconductor ETF (SOXX) profitieren.
Die Spekulation, dass das Schlimmste im Nahost-Konflikt überstanden ist, hat Halbleiterwerte in nur 18 Tagen um 47 Prozent nach oben getrieben und den Nasdaq 100 Index auf den Weg zu seinem besten Monat seit 2020 gebracht.
"Ich weiß, dass der SOX wieder auf den Boden zurückkehren wird", schrieb Burry am 24. April in seinem Newsletter und verwendete dabei das Kürzel für den Philadelphia Semiconductor Index. Er fügte hinzu, dass er Long-Positionen in diesem Bereich verkaufen würde, wenn er welche hätte. "Ältere Halbleiter-Leute wissen das auch. Was jetzt passiert, ist technisch."
Warnungen vor spekulativer Übertreibung
Bevor ein Bericht des "Wall Street Journal", wonach OpenAI seine Ziele bei Umsatz und neuen Nutzern verfehlt habe, am Dienstag (28.4.) viele Aktien belastete, hätte die Dynamik bei Chip-Werten und Big Tech insgesamt "dieses Melt-up-Gefühl" gehabt, sagte Chris Verrone, Partner und Leiter der technischen und makroökonomischen Strategie bei Strategas Securities.
Julian Emanuel, Chefstratege für Aktien und quantitative Analysen bei Evercore ISI, stimmt dem zu und ergänzt, dass die Stärke von Big Tech spekulative Risikobereitschaft fördere.
"Die Öffentlichkeit engagiert sich zunehmend spekulativ", sagte er und verwies auf massive Kursgewinne bei Unternehmen wie Intel und Avis Budget Group. Angesichts von rund acht Billionen US-Dollar in Geldmarktfonds, die am Seitenrand bereitstehen, um in Aktien investiert zu werden, "hat die Öffentlichkeit alle Mittel, sich spekulativ zu engagieren".

Ungleichgewicht im S&P 500 wird sichtbar
Der S&P 500 stieg am Montag (27.4.) um 0,1 Prozent und verzeichnete damit seit Mitte April seinen sechsten Rekord, gestützt von Optimismus über eine mögliche Lösung des Iran-Kriegs.
Rechnet man jedoch den überproportionalen Einfluss von Technologieaktien heraus, ergibt sich ein anderes Bild. Eine gleichgewichtete Version des S&P 500 Index fiel bis Montag (27.4.) fünf Tage in Folge und weitete den Rückgang seit dem letzten Rekord im Februar auf 1,5 Prozent aus.
Trotz des Anstiegs am Montag notierten nur 55 Prozent der Aktien im S&P 500 über ihrem 200-Tage-Durchschnitt. Für Investoren könnte das auf ein fragiles Fundament hindeuten, auf dem der Anstieg des Aktienmarkts ruht.
"Das ist nicht die steigende Flut, die man oft nach einem bedeutenden oder neu gesetzten Tief sieht", schrieb Verrone in einer Mitteilung an Kunden vom 27. April.
Blick richtet sich auf Big-Tech-Zahlen
Der technologielastige Nasdaq 100 liegt seit seinem Tief vom 30. März um rund 19 Prozent im Plus, verglichen mit einem Anstieg von 13 Prozent beim S&P 500. Die Zuflüsse sind zuletzt stark gestiegen: Laut Daten der Deutschen Bank flossen rund 18 Milliarden Dollar in US-Aktienfonds.
Ob die gute Phase anhalten kann, hängt nun fast vollständig von den Geschäftszahlen von Alphabet, Microsoft, Amazon, Meta Platforms und Apple in dieser Woche ab.
"So gut die Rotation hin zu einer breiteren Marktteilnahme im bisherigen Jahresverlauf auch war, die Tatsache ist, dass seit den späten 1990er Jahren die Öffentlichkeit, wenn sie spekuliert, dies in Technologieaktien tut", sagte Emanuel von Evercore ISI. "Nicht in Industrie-, Energie- oder Finanzwerten." (mb/Bloomberg)














