Streit eskaliert: Trump nominiert neuen Fed-Chef – Senator blockiert
US-Präsident Donald Trump will Kevin Warsh zum neuen Chef der US-Notenbank machen. Die Ankündigung löste nicht nur deutliche Marktreaktionen aus, sondern auch überraschenden Widerstand aus dem Lager der Republikaner.
US-Präsident Donald Trump hat am Freitag (30.1.) angekündigt, Kevin Warsh als nächsten Vorsitzenden der Federal Reserve nominieren zu wollen. Das teilte der US-Präsident über seine Social-Media-Plattform "Truth Social" mit.
"Ich kenne Kevin seit sehr langer Zeit und habe keinen Zweifel daran, dass er als einer der großartigen Fed-Vorsitzenden in die Geschichte eingehen wird – vielleicht als der beste", schrieb Trump. Zudem sei Warsh "wie aus dem Bilderbuch besetzt" und werde niemanden enttäuschen.
Comeback eines früheren Fed-Gouverneurs
Warsh gehörte von 2006 bis 2011 dem Gouverneursrat der US-Notenbank an und beriet Trump später in wirtschaftspolitischen Fragen. Sollte der 55-Jährige vom Senat bestätigt werden, würde er Jerome Powell ablösen, dessen Amtszeit im Mai endet. Für Warsh wäre es ein Comeback: Trump hatte sich 2017 noch gegen ihn und für Powell entschieden.
Widerstand im Senat wegen Ermittlungen
Die Nominierung stößt jedoch auf politischen Widerstand. Der republikanische Senator Thom Tillis kündigte an, die Bestätigung Warshs vorerst zu blockieren, solange ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren im Zusammenhang mit Renovierungsarbeiten am Hauptsitz der Federal Reserve nicht eingestellt wird. Zwar bezeichnete Tillis Warsh als gut geeigneten Kandidaten, erklärte jedoch, das laufende Verfahren müsse zunächst beendet werden.
Tillis, Mitglied des Senatsausschusses für Banken, sprach in diesem Zusammenhang von einer "haltlosen Strafverfolgung" und forderte die Regierung auf, die Ermittlungen gegen die Federal Reserve und gegen Powell zu beenden. Ziel sei es, die Unabhängigkeit der Zentralbank zu schützen. Powell selbst hatte zuletzt bestätigt, dass das Justizministerium der Fed Vorladungen einer Grand Jury im Zusammenhang mit dem Renovierungsprojekt zugestellt habe.
Debatte über Unabhängigkeit der Fed
Die Personalie Warsh fällt in eine Phase, in der viele Ökonomen und Investoren die Unabhängigkeit der Federal Reserve zunehmend gefährdet sehen. Warsh hatte sich 2025 öffentlich für niedrigere Zinsen ausgesprochen und damit seine frühere Rolle als entschiedener Inflationsbekämpfer relativiert. Beobachter sehen die Bereitschaft zu Zinssenkungen als zentrales Kriterium für den künftigen Fed-Chef – und warnen vor möglichen politischen Einflussnahmen.
Geldpolitik bleibt Sache des FOMC
Die Nominierung Warshs bedeutet jedoch keinen automatischen Kurswechsel in der Geldpolitik. Über die Leitzinsen entscheidet weiterhin das Federal Open Market Committee (FOMC), dem sieben Gouverneure sowie fünf Präsidenten regionaler Notenbanken angehören. Das Gremium hatte den Leitzins in dieser Woche unverändert gelassen, nachdem er Ende 2025 drei Mal gesenkt worden war.
Finanzmärkte reagieren
An den Finanzmärkten sorgten bereits die Spekulationen über die Nominierung Warshs für Bewegung. Futures auf den S&P 500 gaben nach, die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen stiegen. Der Dollar legte zu, während der Goldpreis im Vergleich zum Vortag um rund fünf Prozent fiel.
"Warsh ist offenbar der orthodoxeste Kandidat in Bezug auf die Geldpolitik", sagte Roberto Scholtes, Chefstratege der Singular Bank. "Ich erwarte keine großen Veränderungen. Wenn überhaupt, wird Warsh das duale Mandat stärker betonen, dem Arbeitsmarkt mehr Aufmerksamkeit schenken und etwas weniger Wert darauf legen, die Inflation so schnell wie möglich zu senken." (mb/Bloomberg)















