Investoren aus aller Welt warten gespannt auf das erneute Zusammentreffen von US-Präsident Donald Trump und Chinas Staatsoberhaupt Xi Jinping. Am kommenden Wochenende (29. und 30. Juni) werden sie beim G20-Gipfel in Osaka ihre Gespräche über ein gemeinsames Handelsabkommen fortsetzen. Anthony Chan, Leiter Kapitalmarktstrategie Asien der Schweizer Privatbank Union Bancaire Privée (UBP), geht nicht davon aus, dass es zu einem abrupten Ende der Verhandlungen kommt. Er sieht aber auch keinen offensichtlichen Durchbruch.

Für ein Ende des "Zuckerbrot-und-Peitsche"-Spiels gebe es schlicht noch zu viele ungeklärte Fragen. "Wir sehen das wahrscheinlichste Ergebnis des G20-Gipfels in einer verlängerten Waffenruhe", sagt Chan. Der Anlageprofi rechnet zwar damit, dass die Verhandlungen weiterlaufen, die bestehenden Zölle dürften aber erhalten bleiben. "Die Konzentration der Investoren auf politische Impulse aus China und den USA werden die wichtigsten Markttreiber sein", sagt Chan.

Zinssenkung ist nur Frage der Zeit
Die Zentralbanken dürften ihre Politik entsprechend anpassen. "Die US-Notenbank hat sich in der Kommunikation bereits als taubenhaft erwiesen", sagt Chan. Die nächste Zinssenkung sei deshalb nur eine Frage der Zeit. Peking wiederum dürfte die eigene Wirtschaft sowohl mit monetären als auch mit fiskalischen Impulsen ankurbeln – allerdings nur in dem Maße, in dem die Weltwirtschaft nicht in eine Rezession abgleitet. "In unserer Prognose ist dies zum jetzigen Zeitpunkt nur ein Tail-Risiko", sagt Chan. (fp)