Wer Geld auf dem Sparbuch hat, kann sich eigentlich freuen, denn der Realzins ist im vergangenen Jahr schleichend in den positiven Bereich gerutscht. Darauf weist Ivan Mlinaric, Geschäftsführer des Vermögensverwalters Quant Capital Management, hin. Höhere Zinsen auf Spareinlagen gibt es zwar immer noch nicht. Dafür lag die Inflationsrate zuletzt so tief, dass das Geld auf Sparbüchern und Tagesgeldkonten zumindest nicht an Kaufkraft verlor. "Die Verbraucherpreise sind leicht gesunken, um etwa 0,3 Prozent für 2020", sagt Mlinaric unter Verweis auf Daten der Deutschen Bundesbank.

Viele Sparer echauffieren sich dennoch über die seit Jahren niedrigen Zinsen. Zu Unrecht, wenn es nach Mlinaric geht. Denn die Devise "früher war alles besser" gilt in Sachen Zinsen nicht, sobald man die Inflation mit einkalkuliert. "Die für Sparer relevanten realen Zinsen, also die Zinsen nach Abzug der Geldentwertung durch Inflation, waren bereits in den vergangenen Jahrzehnten über lange Zeiträume negativ", erklärt der Anlageexperte. So haben sich Sparer womöglich in den 1970-er Jahren über fünf Prozent Nominalzinsen auf Spareinlagen gefreut, hatten aber bei einer gleichzeitigen Inflationsrate von sieben Prozent am Ende weniger von ihrem Geld als heute. De facto lag der Realzins in den vergangenen knapp 55 Jahren sogar die meiste Zeit über unterhalb der Nulllinie.

Die Sparquote ist gestiegen
Die Höhe der Realzinsen dürfte eine beachtliche Menge Menschen interessieren. Denn im Krisenjahr 2020 haben die Deutschen so viel Geld auf die hohe Kante gelegt wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr – trotz Minizinsen. "Die Hauptursache dürfte die Angst vor den Auswirkungen von Lockdowns und Coronakrise gewesen sein, die Zinsen spielen da keine Rolle mehr", sagt Mlinaric. Allerdings geht er davon aus, dass die Rückkehr des positiven Realzinses an den meisten Sparern unbemerkt vorübergehen wird. Mit einer wiedererweckten Sparer-Euphorie rechnet der Experte nicht. (fp)