Das Einkommen vieler Deutscher hat unter der Corona-Pandemie erheblich gelitten. Doch die Schere zwischen Arm und Reich ist dadurch nicht, wie oft vermutet, auseinandergegangen, zeigt eine neue Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Die Daten dafür stammen aus einer Sondererhebung in den Monaten Januar und Februar. Demnach hat der Unterschied zwischen Menschen mit geringerem Einkommen und Gutverdienern in der Pandemie sogar leicht abgenommen. Darüber berichteten heute unter anderem die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) und das "Handelsblatt".

Es ist zwar auf den ersten Blick erstaunlich, jedoch in Krisenzeiten nicht unüblich, dass die Ungleichheit zwischen verschiedenen Einkommensklassen zurückgeht. "Schon in der Finanzkrise hat sich gezeigt, dass sich die Einkommensungleichheit in Krisenzeiten reduziert, weil die oberen Einkommen stärker sinken als diejenigen der unteren Einkommensgruppen", erläutert Studienautor und DIW-Experte Markus Grabka im Handelsblatt. In der jetzigen Krise wirkten sich vor allem die rückläufigen Einkommen von Selbstständigen auf die Statistik aus. Die Bezüge von Angestellten und Beamten stiegen dagegen nominal um fünf Prozent. In anderen Haushaltstypen blieben sie unverändert.

Niedrigeinkommen trotzdem besonders stark betroffen
Die Studie stelle allerdings nur eine Momentaufnahme dar, wie Grabka im Handelsblatt betont. "Zieht sich die Pandemie noch weit in das Jahr hinein und verschärfen sich die Eindämmungsmaßnahmen noch einmal, könnte dies mit steigenden Insolvenzzahlen und zunehmender Arbeitslosigkeit einhergehen und auch die Einkommenssituation in der Breite treffen", warnt der Studienautor. Zudem macht die Studie auch keine Aussagen über die Vermögenslage.

Insgesamt traf die Pandemie Menschen mit niedrigen Einkommen finanziell am härtesten. Laut einer Untersuchung des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) und des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) berichten neben Selbstständigen vor allem an- und ungelernte Arbeiter sowie einfache Angestellte von Geldproblemen. "Die untersten Einkommensgruppen waren häufiger von Freistellungen und Arbeitslosigkeit betroffen und mussten häufiger vor Ort arbeiten", sagt WZB-Experte Philipp Wotschack im Handelsblatt. (fp)