Die Coronakrise hat die als konservativ geltenden deutschen Anleger aufs Börsenparkett gelockt: Jeder Zehnte hat sich seit Beginn der Pandemie an den Kapitalmarkt getraut, zeigt eine aktuelle Umfrage des Marktforschungsunternehmens Kantar im Auftrag der Postbank. Damit hat sich die Zahl der Neuaktionäre in der Bundesrepublik seit August 2020 ungefähr verdreifacht – damals gaben noch 3,2 Prozent der Befragten an, seit der Krise in Aktien oder Fonds zu investieren.

Der Sinneswandel könnte eine Reihe von Ursachen haben. "Der Ausbruch der Corona-Pandemie hat im März 2020 zu einem historischen Kursrutsch an den Börsen geführt", sagt Karsten Rusch, Wertpapierexperte der Postbank. Anleger, die den Crash aussaßen oder sogar Anteile aufstockten, profitierten von der raschen Erholung der Kurse im vergangenen Sommer. "Das weckte Begehrlichkeiten – auch bei Menschen, die den Kauf von Wertpapieren bislang noch nicht in Erwägung gezogen hatten. Sie wollten an dieser Kursentwicklung teilhaben und wagten ein erstes Engagement an der Börse", erklärt Rusch. 

Viele Neuanleger unter 30
Dank der Pandemie hatten die Menschen außerdem mehr Geld übrig, dass sie sparen – oder eben investieren konnten. "Durch Corona fehlte schlicht die Möglichkeit zum Konsum", sagt Karsten Rusch. Vor allem bei jungen Menschen war das der Fall – ihnen blieben etwa Konzert- oder Festivalbesuche verwehrt. Jeder fünfte unter 30-Jährige legte seit der Krise zum ersten Mal sein Geld in Aktien an. Insgesamt haben 59 Prozent der Befragten ihre Corona-Ersparnisse auf dem Girokonto oder in der Sparbüchse gelagert, nahezu jeder Vierte (23 Prozent) legte es in Fonds, Wertpapiere oder auf einem Festgeldkonto an. Ein Teil der Befragten (13 Prozent) will das Geld bei nächster Gelegenheit ausgeben. (fp)