Die neue Online-Plattform in Baden-Württemberg, über die brave Bürger Hinweise auf Steuerbetrügereien an den Fiskus melden können, sorgt für Empörung. Obwohl Steuerhinterziehung eine Straftat ist, war in den vergangenen Tagen viel von "Denunziantentum" die Rede, das mit der Meldeplattform angeblich gefördert wird. Tatsächlich aber würden die meisten Bundesbürger mutmaßliche Steuerbetrüger nicht an das Finanzamt melden, zeigt eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Yougov, über die die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) berichtet.

In der Umfrage gaben 59 Prozent der Teilnehmer an, dass ein Tipp an das Finanzamt für sie "nicht wahrscheinlich" sei. Gerade einmal 21 Prozent der Bürger würden ein Angebot wie die von BaWü-Landesfinanzminister Danyal Bayaz (Grüne) eingeführte Meldeplattform nutzen. Sieben Prozent gaben an, Steuersünder "sehr wahrscheinlich" zu verpfeifen. 18 Prozent der Umfrageteilnehmer enthielten sich und machten keine Angabe. Bei den Antworten zeigten sich Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Männer würden ein digitales Meldeportal häufiger nutzen als Frauen.

Mehr digitale Meldeangebote denkbar
Baden-Württembergs Landesregierung will mit dem neuen Portal den Kampf gegen Steuerbetrug mit schärferen Waffen führen. Als Reaktion auf die Kritik von Union und FDP wies Bayaz darauf hin, dass es in anderen Bundesländern bereits ähnliche Meldeeinrichtungen für den Verdacht auf Steuerbetrug gebe, bloß nicht im Internet. Laut der Nachrichtenagentur dpa können sich nun andere Bundesländer ein digitales Meldeangebot vorstellen. Die Frage ist allerdings, wie häufig es tatsächlich genutzt wird. (fp/ps)