Der demographische Wandel hat das Rentenalter in den vergangenen Jahrzehnten peu a peu nach oben getrieben. Auf einen Ruheständler sollen bald nur noch zwei Arbeitnehmer kommen. Allerdings wollen viele Deutsche dennoch in Frührente gehen, zeigt eine aktuelle Umfrage des Demographie Netzwerks, von der die "Süddeutsche Zeitung" (SZ) berichtet. Demnach halten sich drei Viertel der befragten Berufstätigen nicht dazu in der Lage, bis zum gesetzlichen Renteneintrittsalter von 67 Jahren zu arbeiten und wollen schon bei 65 Jahren aufhören. 

"Die Ergebnisse zeigen, dass wir nicht ausreichend auf den demografischen Wandel vorbereitet sind", sagt Frank Böhringer, der die Befragung beauftragt hat, gegenüber der SZ. "Wir brauchen ernsthaft eine Debatte, wie und wovon Leute im Alter leben sollen." Viele Arbeitnehmer wollen sich den Traum von der Frührente derzeit mithilfe einer privaten Altersvorsorge erfüllen.

Akademiker wollen länger arbeiten
Der Wunsch, früher aufzuhören, hängt oft mit den Arbeitsbedingungen zusammen, zeigt die Umfrage. Die Hälfte der Befragten gab nämlich an, unter einer reduzierten körperlichen Belastung und weniger Stress durchaus bis zum Renteneintrittsalter arbeiten zu wollen. Auch mehr Gehalt, flexiblere Arbeitszeiten und mehr Wertschätzung durch Vorgesetzte würden die Motivation, länger im Beruf zu bleiben, erhöhen. Wer Menschen länger im Erwerbsleben halten will, muss demnach die Arbeitsbedingungen verbessern, schlussfolgern die Wissenschaftler.

Tatsächlich waren unter den Befragten auch Berufstätige, die über das Rentenalter hinaus arbeiten möchten, berichtet die SZ. Jeder elfte Teilnehmer kann sich das vorstellen, vor allem Akademiker. Von den Beschäftigten mit höherer Qualifikation traut sich jeder Vierte zu, noch bis zum 69. Lebensjahr im Beruf zu bleiben. "Dadurch erleben wir eine paradoxe Situation: Während viele nicht mehr können oder wollen, werden andere regelrecht daran gehindert, ihre Arbeitskraft weiter einzubringen", kommentiert Jürgen Deller, Wirtschaftspsychologe bei der Universität Lüneburg gegenüber der SZ. Deren Potenzial sollten Unternehmen nutzen, schlussfolgert er. (fp)