Trotz Corona-Epidemie, US-Wahlen und politischer Spannungen sollten Anleger in den kommenden Monaten an Aktien festhalten, sagt Jens Wilhelm, im Vorstand von Union Investment zuständig für das Portfoliomanagement. "Die fundamentalen Börsentrends sind positiv. Eine anziehende Konjunktur und die aktuell herrschende Geld- und Geopolitik wirken stärker als kurzzeitige Krisen", sagt er. Für Aktienanleger sei 2020 ein vielversprechendes Jahr.

Die Entspannung im Handelskrieg zwischen den USA und China hat nach Einschätzung des Kapitalmarktstrategen die Basis gelegt für weitere Kursanstiege bei Aktien. "Mit dem ersten Deal ist die Sorge vor einer erneuten Eskalation deutlich gesunken", erklärt er. US-Präsident Donald Trump will Konjunkturdämpfer im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen vermeiden, Peking kämpft mit dem Coronavirus – beide Seiten haben also kein Interesse daran, den Handelsstreit erneut aufflammen zu lassen. Aus Anlegersicht entfällt damit eine bedeutende Belastung für die Märkte.

Aktienportfolio international aufstellen
Wilhelm geht davon aus, dass die Konjunktur weiter anzieht. "Vieles deutet darauf hin, dass die Talsohle durchschritten ist", sagt er. In vielen Ländern verbesserten sich die Frühindikatoren. "Die Niveaus sind oft noch schwach, aber der Trend zeigt in die richtige Richtung", urteilt der Experte. Aufseiten der Notenbanken rechnet er im laufenden Jahr nicht mit Überraschungen, sondern mit einem soliden "Weiter so". 

Obwohl Aktien mittlerweile nicht mehr günstig sind, ergeben Dividenden, Gewinnsteigerungen und mögliche Bewertungsausweitungen zusammen ein attraktives Ertragspotenzial, sagt Wilhelm. Für den Dax hält er ein Niveau von 14.000 Punkten zum Jahresende für realistisch. Zugleich klaffen die Ertragschancen in einzelnen Regionen, Branchen und Unternehmen allerdings immer weiter auseinander. "Anleger sollten in ihren Portfolios weiterhin stark auf Selektion und Internationalisierung ihrer Anlagen achten", rät der Stratege. (fp)