Die Inflation in Deutschland wird bis Ende des Jahres auf unter zwei Prozent sinken, erwartet Union Investment. Der Grund: "Viele Sonderfaktoren sowie das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage sollten sich im Jahresverlauf 2022 zumindest abschwächen", sagt Jörg Zeuner, Chefvolkswirt von Union Investment. "Auch rückläufige oder zumindest stabile Ölpreise dürften in diesem Jahr Druck vom Inflationskessel nehmen." Gleichzeitig wird sich der stark gestiegene Gaspreis kaum als Inflationstreiber auswirken, meint Zeuner. Der Preisanstieg werde sich wegen vieler Verträge mit langfristiger Preisbindung erst im Laufe des Jahres auf Verbraucher auswirken.

Verbraucher kaufen mehr Güter und sparen bei Dienstleistungen
Die Inflation in Deutschland verharrt aktuell auf einem Niveau, wie es seit den frühen Neunzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts nicht mehr zu sehen war. Laut Statistischem Bundesamt stiegen die Preise im Dezember im Jahresvergleich um 5,3 Prozent. Im Vormonat hatte die Zahl bei 5,2 Prozent gelegen.

Verantwortlich für die hohe Inflation seien Sonderfaktoren wie das niedrige Preisniveau im ersten Pandemiewinter, der Wegfall der Mehrwertsteuersenkung und die Ausweitung einer einheitlichen CO2-Abgabe auf fossile Brennstoffe, fasst Union Investment zusammen. Auch habe eine Schieflage zwischen knappem Angebot und reger Nachfrage bei vielen Produkten die Preisdynamik im zurückliegenden Jahr befeuert. Dass Verbraucher angesichts eines weiter schwelenden Infektionsgeschehens ihren Konsumschwerpunkt von Dienstleistungen zu Gütern verschoben haben, habe ebenfalls zu den historisch hohen Inflationszahlen beigetragen. (fp)