Joe Bidens Vereidigung als neuer Präsident der Vereinigten Staaten steht kurz bevor. Für nachhaltig orientierte Anleger ist das eine gute Nachricht, sagt Henrik Pontzen, Leiter des ESG-Bereichs bei Union Investment. Er ist überzeugt: "Präsident Biden kann die US-Klimapolitik vom Kopf auf die Füße stellen." Donald Trump hat den Klimaschutz nicht nur ignoriert, sondern geradezu boykottiert. Sein Nachfolger hegt hingegen in puncto "grüne Investitionen" große Ambitionen. In Bidens Wahlprogramm summieren sich Vorhaben, die direkt oder indirekt den Klimaschutz befördern sollen, auf zwei Billionen US-Dollar – eine mehr als doppelt so hohe Summe, wie die Europäische Union für ihren "Green Deal" vorsieht.

Durch das Patt im US-Senat – bei dem Vizepräsidentin Kamala Harris das letzte Wort hat – kann Biden seine ehrgeizigen Klimapläne aller Voraussicht nach tatsächlich durchsetzen. Zumindest in Teilen: "Die Mehrheiten im Kongress sind extrem knapp. Biden wird viele Kompromisse machen müssen", gibt Pontzen zu bedenken. Der designierte neue US-Präsident wird sich außerdem beeilen müssen. "Schon bei den US-Zwischenwahlen in zwei Jahren könnten die Mehrheiten der Demokraten wieder weg sein", sagt der Union-Investment-Mann.

Wie schnell "ergrünen" US-Investoren?
Alles in allem dürften die USA in der kommenden Zeit wieder ein relevanter Player im Klimaschutz werden. Dadurch verändert sich auch der Markt für nachhaltige Geldanlagen, prophezeit Pontzen. In Europa fließt bereits ein guter Teil des Anlegergeldes in ESG-Investments. US-Anleger hinken dagegen deutlich hinterher. Ende vergangenen Jahres waren laut Morningstar weltweit 1,4 Billionen US-Dollar in nachhaltigen Fonds investiert. Davon stammten 85 Prozent von europäischen Anlegern und nur 15 Prozent aus den Vereinigten Staaten.

Viele institutionelle Investoren in den USA sind nach wie vor stark in Öl- und Gaswerten, Energieversorgern und Rüstungsunternehmen investiert. Staatlichen Pensionsfonds war unter Präsident Trump sogar verboten, nachhaltig zu investieren. Unter Biden dürfte sich die Lage ändern, mit spürbaren Folgen für den Markt. "Hiesige ESG-Investoren sollten sich deutlich internationaler orientieren", rät Pontzen. (fp)