Der Konkurrenzkampf zwischen Peking und Washington mag manch einen an die Zeit des Kalten Krieges erinnern. Der Vergleich hinkt allerdings, sagt Michael Herzum, leitender Stratege bei Union Investment: "China ist für die USA das, was die Sowjetunion letztlich nie war. Ein Konkurrent, der das Potenzial hat, nicht nur militärisch, sondern auch wirtschaftlich und strategisch auf Augenhöhe zu agieren."

Die Volksrepublik scheint derzeit auf der Überholspur und auf dem besten Weg, die Vereinigten Staaten abzuhängen. China stößt in das Machtvakuum, das sich durch Donald Trumps Rückzug aus internationalen Abkommen und Bündnissen aufgetan hat, analysiert Herzum. Die USA wirken wiederum seit Beginn der Corona-Krise verwundbar wie selten und sind überdies in wichtigen Teilen des Technologiesektors längst auf China angewiesen.

Die Welt zerfällt in zwei Einflusssphären
Investoren kann der Wettstreit der Supermächte nicht egal sein. "Er wird in der Unternehmenslandschaft deutliche Spuren hinterlassen", prophezeit der Union-Investment-Stratege. So könnten es etwa europäische und amerikanische Halbleiter-Ausrüster auf kurze Sicht schwer haben. Rund 30 Prozent ihrer Umsätze erzielen sie in China. Größer als die kurzfristigen sind aber die langfristigen Risiken: Europa droht zwischen den beiden verfeindeten Mächten in die Bedeutungslosigkeit abzurutschen, warnt Herzum. So sei etwa das deutsche Exportmodell in Gefahr, wenn sich China als Käufer zurückzieht. 

Die Konkurrenz zwischen China und den USA wird die kommende Dekade prägen, ist Herzum überzeugt. "Eine Rückkehr zu vermehrter Kooperation wird es nicht geben", sagt er. In strategisch wichtigen Technologiebereichen müssen Anleger deshalb damit rechnen, dass es künftig zwei geografisch getrennte Blöcke gibt. "Das chinesische Megaprojekt der 'Neuen Seidenstraße' lässt den möglichen Grenzverlauf erahnen", sagt der Experte. (fp)