Im ersten Quartal 2020 ist das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) gegenüber dem Vorquartal um 2,2 Prozent geschrumpft. "Verglichen mit anderen europäischen Ländern kommt die deutsche Wirtschaft somit bislang mit einem blauen Auge davon", kommentiert Jörg Zeuner, Chefvolkswirt von Union Investment. Als Grund dafür, dass die Bundesrepublik bisher relativ geschmeidig durch die Coronakrise gekommen ist, nennt er den vergleichsweise milden deutschen Lockdown.

Deutschland konnte es dank seines raschen Viruskrisen-Managements vermeiden, nahezu alle Wirtschaftsbereiche über Wochen fast komplett stilllegen zu müssen. "Frankreich, Italien oder Spanien hat die Krise viel härter getroffen. Die Wirtschaft wurde dort deutlich umfassender lahmgelegt, um die Zahl der Neuinfektionen zu reduzieren", hebt der Ökonom hervor. In Italien und Spanien rechnet er für das laufende Jahr mit einem BIP-Minus im zweistelligen Prozentbereich.

Kein Euro-Staat darf abgehängt werden
Im zweiten Halbjahr dürfte es nach Einschätzung des Union-Investment-Ökonomen wieder besser laufen. Dennoch sind umfangreiche Hilfen nötig, um die Spätfolgen der Viruswelle abzumildern, betont er: "Wir brauchen in Europa Konjunkturprogramme, um einen nachhaltigen Aufschwung zu initiieren. Denn die Zahl der Arbeitslosen wird sich eher schleppend zurückbilden."

Auch mittelfristig sieht Zeuner Deutschland in einer guten Position, um mit der Coronakrise fertig zu werden. So ist etwa der fiskalische Spielraum für Konjunkturhilfen in der Bundesrepublik größer als anderswo in Europa. Das könnte allerdings auch zur Herausforderung werden, gibt der Volkswirt zu bedenken – dann nämlich, wenn sich die Wachstumsraten der europäischen Staaten deutlich unterschiedlich entwickeln. "Daher arbeitet Europa zu Recht bereits heute an gemeinsamen Antworten", sagt er. (fp)