Weltweit hat sich das Wachstum abgeschwächt. "Deutschland ist von der Verlangsamung besonders betroffen, denn hier kommen fast alle Belastungsfaktoren zusammen", sagt Union-Investment-Vorstand Jens Wilhelm. Er rät zu fiskalpolitischen Schritten, um die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen. "Jetzt bietet sich die Gelegenheit, Konjunktur- und Strukturpolitik sinnvoll zu vereinen", betont er. Angesichts der immer noch niedrigen Zinsen könnte die Bundesrepublik mit relativ niedrigem finanziellen Einsatz zum Beispiel in Infrastrukturprojekte investieren und damit der zyklischen Schwäche etwas entgegensetzen.

Mit einem harten Sparkurs dürfte die Bundesregierung in der kommenden Zeit nicht viel Erfolg haben. Dass es abwärts geht, lässt sich kaum leugnen: Im laufenden Jahr dürfte die deutsche Wirtschaft gerade einmal 0,8 Prozent wachsen, prognostiziert Union Investment. Das wäre ein spürbarer Rückgang gegenüber den 1,5 Prozent des vergangenen und den 2,5 Prozent des vorvergangenen Jahres. Im gesamten Euroraum wird sich das Wachstum wohl auf 1,1 Prozent abschwächen. "Das ist noch keine Rezession, aber ein herber konjunktureller Rückschlag", so Wilhelm.

Keine Zinsanhebung um jeden Preis
Immerhin: Die schwächeren Wirtschaftsdaten nehmen Druck von den großen Notenbanken, die Leitzinsen anheben zu müssen. Die US-Notenbank Fed wird nicht in ihrem bisherigen Tempo weitermachen, ist das Anlageexperte überzeugt. "Die Währungshüter werden den Autopiloten ausschalten und ihren Kurs stattdessen stärker von der Datenlage abhängig machen", sagt er. In den USA erwartet Wilhelm für das laufende Jahr noch maximal zwei Zinsschritte. Im Euro-Raum rechnet er gegen Jahresende mit ersten vorsichtigen Maßnahmen wie einer Anhebung des Einlagenzinses. (fp)