Die Inflation, die zahlreiche Marktexperten für vorübergehend erklären, hält bislang in Deutschland hartnäckig an. So sind die Preise im September verglichen zum Vorjahr um satte 4,1 Prozent gestiegen, womit die Inflation ihr höchstes Niveau seit 28 Jahren erreicht hat. Für diese Entwicklung gibt es viele Gründe, sagt Jörg Zeuner, Chefvolkswirt bei der Investmentgesellschaft Union Investment. "Einerseits die starke Nachfrage, die auf anhaltende Lieferengpässe trifft, sowie die Basiseffekte beim Übergang aus einem deflationären in ein inflationäres Umfeld mit dem Ende flächendeckender Lockdowns." Auch die CO2-Steuer und die vorübergehende Mehrwertsteuersenkung im vergangenen Jahr wirkten sich nun preistreibend aus, erklärt er. 

Am stärksten hänge der Inflationsanstieg mit den Energiepreisen zusammen. "In wenigen anderen Bereichen stehen Angebot und Nachfrage aktuell in einem ähnlich großen Missverhältnis", sagt Zeuner. Allerdings sei das nur ein vorübergehendes Phänomen, betont der Konjunkturexperte. "Im Laufe des nächsten Jahres werden die Basiseffekte verschwinden und die Inflationsraten fallen." Auch Angebot und Nachfrage werde sich in vielen Marktsegmenten bis dahin normalisiert haben. Daher rät der Finanzprofi, die Inflation zwar aufmerksam, "aber mit einer Portion Gelassenheit zur Kenntnis" zu nehmen. (fp)