Griechenland ist seit vergangenem Dienstag wieder am Kapitalmarkt aktiv – mit einer neuen fünfjährigen Staatsanleihe. Das Land kann sich damit erstmals seit Abschluss des ESM-Programms durch den Europäischen Stabilitätsmechanismus wieder eigenständig am Kapitalmarkt finanzieren. "Neun Jahre nach dem Ausbruch der Finanzkrise in Griechenland ist das ein wichtiger Schritt bei der wirtschaftlichen Erholung des Landes", sagt Christian Kopf, Leiter Portfoliomanagement Renten bei Union Investment. 

Die Erwartungen professioneller Beobachter wurden bei weitem übertroffen. Für den Schuldschein, mit dem das Land 2,5 Milliarden Euro aufnehmen wird, sind laut der Nachrichtenagentur Reuters Kauforder von mehr als zehn Milliarden Euro eingegangen. Darüber hinaus lag die Verzinsung am Schluss bei 3,6 Prozent. Im Vorfeld der Emission waren Bondexperten noch davon ausgegangen, dass Griechenland rund 3,9 Prozent anbieten muss, um genügend Anleger anzulocken.

"Mit der Begebung der Anleihe will der Staat seine Kapitalmarktfähigkeit unter Beweis stellen, wovon auch die griechische Privatwirtschaft profitiert", sagt Kopf. Er geht davon aus, dass das Wirtschaftswachstum, das im Jahr 2018 bei 2,1 Prozent lag, in diesem Jahr auf 2,4 Prozent steigt. "Das liegt deutlich über dem Durchschnitt der Eurozone", betont der Experte. Insbesondere der Tourismus und der private Konsum sind Treiber der wirtschaftlichen Erholung, sagt er. 

Griechenland hat sich 2018 behauptet
Die Regierung Griechenlands hat im vergangenen Jahr der hohen Arbeitslosigkeit und dem in Folge der Wirtschaftskrise geringen Steueraufkommen getrotzt und einen Haushaltsüberschuss von 7,5 Milliarden Euro vor Zinszahlungen erzielt. "Damit zeigt Griechenland die mit Abstand höchste Haushaltsdisziplin in der Eurozone", lobt Kopf. Er geht davon aus, dass die Schuldenquote in den nächsten Jahren weiter fallen wird und schätzt Griechenlands Lage durchaus positiv ein. (fp)