Nach dem historischen Wirtschaftseinbruch im zweiten Quartal hat die Konjunktur in Deutschland zuletzt kräftig angezogen. Gegenüber dem Vorquartal stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im dritten Quartal um 8,2 Prozent. Dieses Plus dürfte das vorläufige Ende des Aufschwungs markieren, sagt Jörg Zeuner, Chefvolkswirt bei der genossenschaftlichen Fondsgesellschaft Union Investment. Der Teil-Lockdown im November wird der Wirtschaft wohl einen erneuten kräftigen Dämpfer versetzen – wenn auch keinen so schweren wie der erste Lockdown im Frühjahr. 

Der Rückgang an Investitionen und Konsum dürfte die deutsche Wirtschaftsleistung im Schlussquartal belasten, zumindest so lange nicht absehbar ist, ob die Corona-Eindämmungsmaßnahmen tatsächlich Erfolg haben. "Die Ungewissheit, ob sich das Pandemiegeschehen in den Griff bekommen lässt, ist hoch”, sagt Zeuner. Die kommenden Monate dürften deshalb schwierig bleiben. Insbesondere Branchen wie Hotellerie und Gastronomie werden in der kommenden Zeit wohl erneut leiden. Diese Sektoren machen allerdings nur rund drei Prozent der Wertschöpfung in Deutschland aus.

Anlass zur Zuversicht
Insgesamt wird der zweite Lockdown nach Einschätzung des Union-Investment-Ökonomen die deutsche Wirtschaft nicht mehr so hart treffen wie der erste. "Trotz Einschränkungen gibt es Gründe für mehr Zuversicht", sagt Zeuner. Anders als im Frühjahr bleiben etwa Einzelhandel und verarbeitendes Gewerbe geöffnet. "Der Rückschlag dürfte dadurch klar geringer ausfallen als im zweiten Quartal." Anlass zur Hoffnung geben auch die fiskalischen Hilfsmaßnahmen, die sich diesmal am Umsatz und nicht mehr an den Fixkosten orientieren. Somit dürfte der Staat betroffene Branchen gezielter mit Liquidität versorgen – für Unternehmen ist das entscheidend, um ihre Existenz zu sichern und wirtschaftliche Folgekosten zu mindern. (fp)