Öl ist ein wichtiger Grundstoff für die Industrie. Der Preis des schwarzen Bodenschatzes zeigt deshalb gut an, wie es um die Gesamtwirtschaft bestellt ist, sagt Max Holzer, Leiter des Bereichs Relative Return bei Union Investment. Die Coronakrise hat die Wirtschaftsaktivität massiv beeinträchtigt – Öl ist heute deutlich günstiger als vor der Pandemie. Das dürfte auch noch eine Weile so bleiben: "Solange kein Impfstoff auf den Markt kommt und die gesamtwirtschaftliche Nachfrage nicht deutlich anzieht, erholt sich der Ölpreis nicht nachhaltig", prognostiziert Holzer.

Die jüngsten Zeichen stimmen nicht gerade optimistisch. "Die Erholung der Nachfrage und damit auch des Ölpreises vom Einbruch im Corona-Schock ist seit einigen Wochen ins Stocken geraten", sagt der Experte. Seit Anfang September ist der Preis für ein Fass der Sorte Brent nach längerer Seitwärtsbewegung sogar wieder unter 40 US-Dollar gefallen. "Bis der Preis wieder über die Marke von 50 US-Dollar je Fass steigen wird, dürfte es bis weit ins nächste Jahr dauern", prophezeit Holzer.

Förderländer drehen den Hahn wieder auf
Die Öl-Nachfrage hatte sich zwar nach dem beispiellosen Einbruch im Frühjahr bis August kräftig erholt. "Doch das Ölkartell Opec und zusätzliche Produzenten wie Russland fördern nach ihrer anfänglichen Kürzung mit 9,7 Millionen Fass pro Tag inzwischen wieder etwas mehr Öl", erklärt der Union-Investment-Mann. Noch wichtiger ist die Entwicklung auf der Nachfrageseite: Nach wie vor liegt die Nachfrage nach Öl deutlich tiefer als vor Beginn der Covid-19-Pandemie – und verhindert, dass der Preis nachhaltig steigt. (fp)