Steigende Anleiherenditen und die Angst vor Inflation beunruhigen einige Anleger momentan. Dabei dürfte ein ausgewogener Aktienmix für Investoren gerade genau der richtige Ansatz sein, erklärt Benjardin Gärtner, Leiter Portfoliomanagement Aktien bei Union Investment. "Im Vergleich zu anderen Anlagen bieten Aktien weiterhin attraktive Renditechancen”, sagt er. Gärtner rät Anlegern, Ruhe zu bewahren und auf Wachstumsaktien sowie auf zyklische Aktien zurückzugreifen, also Titel aus Branchen wie Gastronomie, Freizeit, Verkehr oder Konsum. Wie immer gilt auch in der Krise der Ansatz: "Unternehmen sind vorzuziehen, die über eine solide Bilanz, ein bewährtes Geschäftsmodell sowie ein gutes Management verfügen." Unternehmen, die Hilfsgelder benötigen, sollten Anleger dagegen meiden.

Weitere Turbulenzen an den Börsen künftig sind allerdings nicht ausgeschlossen, räumt Gärtner ein. So sei es möglich, dass Investoren erneut von Wachstumstiteln in andere Aktien umschichten. "Gerät dadurch die Rally bei Apple, Amazon, Microsoft und Co. ins Stocken, belastet dies auch die US-Börsen – und indirekt die weltweiten Aktienmärkte", warnt er. Auch einen erneuten Anstieg der Staatsanleiherenditen hält Gärtner für möglich. Die Aktienkurse dürfte das aber seiner Ansicht nach nicht unbedingt drücken, solange sich die Wirtschaft weiter erholt. "Anziehende Zinsen sind nicht zwangsläufig Gift für Aktien", erklärt der Experte.

Steigende Zinsen als Chance
Gerade Wachstumstitel fallen oft dann im Wert, wenn die Zinsen steigen. Davon sollten sich Anleger aber nicht beirren lassen, erklärt Gärtner.  "Die aktuelle Kurskorrektur bei Wachstumsaktien ist nicht gleichzusetzen mit schlechteren Gewinnaussichten für diese Unternehmen. Ein Kursrückschlag aus Zinsgründen kann bei Wachstumsaktien für längerfristige Investoren eher eine Chance als ein Warnsignal sein." Das hat sich etwa bei US-amerikanischen Tech-Aktien in den 1990-er Jahren gezeigt: Trotz steigender Zinsen hatten sich ihre Kurse lange Zeit gut entwickelt. (fp)