Dividenden-Jäger, die auf Aktien europäischer Finanzinstitute gesetzt haben, dürfte die Nachricht schwer enttäuscht haben. Im Zuge der Corona-Pandemie forderte die Europäische Zentralbank (EZB) die Banken in Europa dazu auf, vorerst bis Oktober auf Dividenden für die Geschäftsjahre 2019 und 2020 zu verzichten, um die Kapitalbasis zu stärken und Verluste besser abfedern zu können. Viele Institute folgten der Empfehlung, darunter die Commerzbank AG, Aareal Bank AG und Deutsche Pfandbriefbank AG, berichtet das "Handelsblatt". Ob die Banken darüber hinaus an ihren Ausschüttungen festhalten werden, ist mindestens fraglich.

Alexandra Annecke, Portfoliomanagerin bei Union Investment, glaubt nicht daran. Ob es Dividendenzahlungen gebe, werde nicht allein die Entscheidung von Vorständen und Aufsichtsräten sein, sagte sie in einem Interview mit Bloomberg News. Annecke geht davon aus, dass die EZB ihre Empfehlung, die Ausschüttungen auszusetzen, über den Oktober hinaus verlängert. "Für das zweite Quartal erwarte ich nochmals eine sehr hohe Risikovorsorge bei den europäischen Banken. Und auch für den Rest des Jahres und 2020 dürfte sie auf erhöhtem Niveau bleiben", sagte sie der Nachrichtenagentur.

Deutsche Banken leiden besonders
Besonders Aktionäre deutscher Banken müssen sich nach Einschätzung der Experten auf eine längere Durststrecke einstellen. Die Institute hätten sich schon vor der Corona-Pandemie in einer schwierigen Situation befunden, da sie im europaweitem Vergleich unterdurchschnittlich profitabel sind. "Wenn die Gewinne schwach sind, dann gibt es natürlich auch weniger Puffer, um die unausweichlichen Kreditausfälle zu absorbieren", sagte Annecke. Selbst wenn sich Europas Banken vereinzelt doch dafür entscheiden sollten, ab Oktober Dividenden zu zahlen, dürften die Ausschüttungen vergleichsweise gering ausfallen. (fp)