Seit der Coronakrise wächst das Sparvermögen der Deutschen. Die Privathaushalte konnten ihr Geldvermögen von 6,5 Billionen Euro im Jahr 2019 um rund sieben Prozent auf sieben Billionen Euro im Jahr 2020 steigern, zeigt eine Auswertung der Philipps-Universität Marburg im Auftrag der Investmentgesellschaft Union Investment. Das liegt vor allem daran, dass Sparer lockdownbedingt mehr zurückgelegt haben als zuvor. Doch die Ertragskraft ihrer Guthaben geht immer weiter zurück: Renditen machten im vergangenen Jahr nur noch 19 Prozent des Vermögenszuwachses aus. Im Vorjahr waren es noch 24 Prozent.

Grund ist das konservative Anlageverhalten der Deutschen: Nach wie vor lagern mit 2,8 Billionen Euro mehr als 40 Prozent des Gesamtvermögens in Zinsanlagen. Das lohnt sich immer weniger, da diese überwiegend sehr niedrig oder gar negativ rentieren. Die steigende Inflation verschärft außerdem den Kaufkraftverlust: Im Mai des laufenden Jahres legte die Teuerungsrate nochmals um 0,5 Prozent auf 2,5 Prozent zu und blieb auch im Juni mit 2,3 Prozent hoch. 

Ineffizientes Sparen
Wer bei einer Inflationsrate von zwei Prozent und einem Zinssatz von null Prozent 10.000 Euro anlegt, verliert in zehn Jahren 1.797 Euro an Kaufkraft, rechnet die Studie vor. "Sparern, deren Geldanlage stark zinsabhängig ist, steht ein realer Vermögensverlust bevor, den viele so noch nicht kannten", warnt Studienleiter Oscar Stolper. 

Mit einem höheren Sparaufkommen lassen sich die Nullzinsen und die Inflation somit kaum dauerhaft kompensieren. "Damit sich die Sparanstrengungen der Anleger lohnen, müssen sie effizienter und damit höherrentierlich anlegen", empfiehlt Union-Investment-Geschäftsführer Giovanni Gay. Ein Teil der Anleger hat bereits angefangen umzuschichten, zeigt die Umfrage. Der Anteil an Aktieninvestments am Gesamtfinanzvermögen der Deutschen stieg im vergangenen Jahr immerhin von 10,9 auf 11,6 Prozent an. (fp)