Einen solchen Sprung haben die Preise in Deutschland lange nicht mehr gemacht. Gegenüber dem Dezember zog die Inflationsrate von minus 0,7 Prozent auf 1,6 Prozent an. Trotzdem können Anleger beruhigt sein: eine nachhaltige Trendwende bedeuten diese Zahlen aller Voraussicht nach nicht. "Die Daten sind maßgeblich geprägt von Sondereffekten", sagt Jörg Zeuner, Chefvolkswirt bei Union Investment. 

Da wäre zum einen die CO2-Abgabe, die mit dem Jahreswechsel in Kraft getreten ist und die allein schon mit etwa 0,3 Prozentpunkten zu Buche schlägt. Außerdem sei Ende 2020 die vorübergehende Senkung der Mehrwertsteuer ausgelaufen, was der Inflation ebenfalls einen einmaligen Schub verpasst hat. "Die Januarzahlen sind daher keine Überraschung", sagt Zeuner.

Zinsen bleiben niedrig
Wie es mit der Teuerung weitergeht, hängt dem Ökonomen zufolge vor allem von zwei Faktoren ab: Wie schnell die Gesellschaft ab dem Sommer zu einer gewissen Normalität zurückkehren kann, und wie sich die Kauflaune der Verbraucher entwickelt. "Derzeit sieht es eher so aus, dass eine gewisse Unsicherheit anhält und viele Menschen auch ihre Vermögens- und Einkommenssituation stabilisieren müssen", sagt Zeuner. Das sollte den Preisanstieg begrenzen.

Zwar dürfte die Teuerung insbesondere in der zweiten Jahreshälfte höher ausfallen als gewohnt. Unterm Strich rechnet der Ökonom aber damit, dass die Verbraucherpreise in diesem Jahr um etwa 1,5 Prozent steigen, also weit weniger als die Zielmarke der Europäischen Zentralbank (EZB) vorgibt. "Für Sparer bedeutet das weiterhin kaum oder keine Zinsen auf dem Festgeldkonto und für Investoren anhaltend niedrige Anleiherenditen", so Zeuner. (fp)