Handelskriege kennen keine Gewinner, sondern nur Verlierer, sagt Benjardin Gärtner, Leiter Portfoliomanagement Aktien bei Union Investment. "Wenn sich die großen Wirtschaftsräume voneinander abschotten, wird es schnell hässlich." Dementsprechend sollte es Investoren beunruhigen, dass China und die Europäische Union bereits Vergeltungsschritte gegen die USA vorbereiten. "Als Aktieninvestor sollte man die Entwicklung mit Argwohn beobachten. Denn gerade die großen Unternehmen profitieren vom Freihandel", sagt Gärtner.

Falls tatsächlich ein ausgewachsener Handelskrieg zwischen den USA und der EU ausbricht, sollten Anleger zyklische Aktien meiden, rät der Experte – insbesondere, wenn die dahinterstehenden Unternehmen global aufgestellt sind und ihre Güter international mit Strafzöllen belegt werden. "Defensiv und lokal ist dann das Gebot der Stunde", so Gärtner. Diese Eigenschaften sieht er etwa bei Telekommunikations- und Versorger-Aktien. "Bei Konsumgütern gilt es, die großen Player auf den jeweils heimischen Märkten im Blick zu behalten", sagt er. Kurzfristig dürfte die US-amerikanische Stahlindustrie der einzige echte Gewinner sein.

Bushs Scheitern mahnt zur Vorsicht
Langfristig würden nicht einmal die US-Stahlhersteller durch Strafzölle eine neue Blütezeit erleben. "Handelsbeschränkungen sind oft von kurzer Dauer, kein Großunternehmen wird daraufhin seine Investitionspläne hochfahren", so Gärtner.

Viele Firmen dürften sich an das Jahr 2002 erinnern, als George W. Bush Zölle auf Stahl und Aluminium einführte: Während in der Stahlindustrie kaum Arbeitsplätze geschaffen wurden, gingen andere Branchen wegen der Preissteigerungen in die Knie. "Unterm Strich kostete die Aktion in den USA 200.000 Arbeitsplätze", sagt Gärtner. Nach nur 18 Monaten waren die Zölle wieder Geschichte. (fp)