Die Ziele der EU und von Deutschland, bis 2050 klimaneutral zu wirtschaften, bleiben herausfordernd. Wasserstoff könnte auf dem Weg dahin allerdings eine entscheidende Rolle spielen, glaubt Henrik Pontzen, Leiter ESG bei Union Investment. Der Grund: Bei der Verbrennung von Wasserstoff entsteht, im Gegensatz zu fossilen Energieträgern, kaum klimaschädliches CO2. "Um mehr als ein Viertel könnten die globalen CO2-Emissionen bis ins Jahr 2050 gesenkt werden, wenn die Wirtschaft stärker auf Wasserstoff setzt", sagt der Experte.

Doch der Pfad dahin ist steinig. "Wirklich klimafreundlich ist nur der sogenannte grüne Wasserstoff, der mithilfe erneuerbarer Energien gewonnen wird", sagt Pontzen. Derzeit liegt der Fokus der Industrie aber noch auf grauem Wasserstoff. Dieser ist zwar zwei bis drei Mal günstiger als die grüne Variante, jedoch werden dort fossile Energieträger wie Erdgas oder Kohle genutzt. "Um eine Tonne Wasserstoff zu produzieren, fallen bei der Verwendung von Erdgas 10 Tonnen und bei Kohle sogar fast 20 Tonnen CO2 an. Eine ernüchternde Bilanz", resümiert der Experte.

Potenzial für Investoren
Deutschland präsentiert sich mit seiner kürzlich vorgelegten Wasserstoffstrategie als Vorreiter in diesem Gebiet. Von den 35 Milliarden Euro, die bisher von Regierungen weltweit an grünen Stimulus-Maßnahmen angekündigt wurden, kommt mehr als die Hälfte aus der Bundesrepublik. "Deutschland hat das technische Know-how, um sich an die Spitze der grünen Transformation zu setzen. Hier sehe ich enormes Potenzial, auch aus Investorensicht", sagt Pontzen. Ausgewählte Unternehmen aus den Bereichen Brennstoffzelle, Anlagenbau und Industriegase konnten bereits von der Phantasie einer sich durchsetzenden Wasserstoffwirtschaft profitieren. (fp)