Mehr als ein Jahr nach Ausbruch der Coronakrise befindet sich die Wirtschaft auf Erholungskurs. "Derzeit ist der Turbo-Zyklus – eine tiefe, schnelle Talfahrt der Konjunktur gefolgt von einem raschen Wiederanstieg –in vollem Gang", sagt Jörg Zeuner, Chefvolkswirt bei der Union Investment. Dabei besteht laut dem Experten die Aussicht auf ein nachhaltig höheres Wachstum. "Der kurzfristigen Politik der Einkommenskompensation während der Krise folgt in allen drei großen Wirtschaftsräumen eine öffentlich getriebene Aufbau- und Investitionspolitik", sagt Zeuner. Diese solle die Nachfrage nicht nur erhalten, sondern erhöhen. "Das kann zur Initialzündung eines überdurchschnittlich langen, kräftigen und für die Kapitalmärkte positiven Konjunkturzyklus werden", sagt der Experte.

Aus dem "Turbo-Zyklus" würde dann ein "Dauerboom". Das wirkt sich auch auf die Kapitalmärkte aus. Für Anleger zahlt sich dabei ein abwartende Haltung nicht aus. "Ein Teil der Zuwächse – zum Beispiel an den Aktienmärkten – wird eher früh anfallen", sagt Zeuner. In der Folgephase rechnet er damit, dass Aktien sowie Rohstoffe gut unterstützt bleiben. Gleichzeitig steigen die Zinsen nur langsam an. "Historische Beispiele sind in diesem Umfeld schlechte Ratgeber, denn die aktuelle Situation ist in vielerlei Hinsicht einzigartig", sagt Zeuner. Er glaubt, dass die Welt nach der Krise eine andere sein wird als zuvor, auch wegen der vielen strukturellen Brüche. "Die Pandemie teilt die Märkte in strukturelle Gewinner und Verlierer", sagt der Chefvolkswirt. Diesen Effekt könnten Investoren für sich nutzen.

Optimistischer Ausblick
Die Union Investment prognostiziert: Zwar sein China bislang das einzige Land, dass eine "echte" V-förmige Erholung vorweisen kann. Die USA seien jedoch dabei, China als globalen Wachstumsmotor abzulösen und würden noch dieses Jahr ihr Vorkrisen-BIP-Niveau erreichen. "Europa hinkt etwas hinterher. Die Zeichen stehen aber gut, dass sich das chinesische und das US-Beispiel wiederholen werden", sagt Zeuner. (fp)