Die Covid-19-Pandemie lässt rund um den Globus die Staatsschulden explodieren. Für die Industriestaaten rechnet der Internationale Währungsfonds (IWF) bis Ende 2021 mit einem durchschnittlichen Anstieg der Staatsverschuldung um 17 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). "Besonders hohe Kredite dürfte die US-Regierung aufnehmen", sagt Christian Kopf, Leiter des Bereichs Portfoliomanagement Renten bei Union Investment. IWF-Experten rechnen in Übersee mit einem Schulden-Plus von 23 Prozent gegenüber der Zeit vor der Coronakrise. In der Eurozone dürfte die Staatsverschuldung dagegen im Schnitt "nur" um elf Prozent zulegen.

Kopf nennt vier Faktoren, von denen es abhängt, ob Staaten ihre Schuldenquote unter Kontrolle halten können oder ob sie unter ihrer Schuldenlast zusammenbrechen: die Wachstumsrate des Sozialprodukts, die Inflation, die Höhe der Kapitalmarktzinsen und die Budgetdisziplin des Staates. Vor allem der letzte Punkt bereitet dem Union-Investment-Experten Sorge. "Von einer sparsamen Haushaltsführung sind die meisten Staaten weit entfernt", sagt er. "Wenn der IWF mit seinen Prognosen recht behält, wird es auch in zwei Jahren kaum ein Land geben, dessen Staatshaushalt vor Zinszahlungen einen Überschuss ausweist."

Niedrigzinsen als Retter in der Not
Ein hohes Wirtschaftswachstum oder eine steigende Inflation sind ebenfalls nicht in Sicht. Die gute Nachricht ist allerdings: "Anders als noch vor 20 Jahren brauchen wir keine hohen Wachstumsraten mehr, um das Monster steigender Staatsverschuldung zu bändigen", sagt Kopf. Die Kapitalmarktrenditen sind inzwischen nämlich massiv gefallen. Im Schnitt müssen Industriestaaten auf ihre Schulden derzeit gerade einmal zwei Prozent Zinsen zahlen, teilweise sogar deutlich weniger. "Bei den aktuell niedrigen Marktzinsen werden die meisten Staaten trotz deutlich angestiegener Schuldenquoten nur eine geringe Sparanstrengung unternehmen müsse, um eine Explosion der Staatsverschuldung zu stoppen", erklärt Kopf.

Bleiben die Zinsen weiterhin tief, müssen die meisten Länder zur Haushaltsstabilisierung nur Einsparungen in Höhe von zirka zwei Prozent ihres BIP vornehmen. "Das könnte machbar sein", sagt der Anlageprofi. Schwierig wird es seiner Einschätzung nach für die USA, Australien, Spanien und Frankreich: "Diese Länder bräuchten eine Verbesserung des Staatshaushalts um drei bis fünf Prozent des BIP." (fp)