Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) erhöht ihren Leitzins um 0,5 Prozentpunkte, der damit nun in der Spanne von 0,75 bis 1 Prozent liegt. Für die Fed ist das ein drastischer Schritt: Einen solch kräftigen Anstieg gab es seit 22 Jahren nicht. Normalerweise hebt die US-Notenbank den Leitzins in Tippelschritten von 0,25 Prozentpunkten an.

Trotzdem kündigte die Fed bereits eine weitere "rasche Straffung" ihrer Geldpolitik an, wie das "Manager Magazin" mit Bezug auf US-Notenbankchef Jerome Powell berichtet. Bei kommenden Sitzungen des Zentralbankrats könnte wieder eine Erhöhung um 0,5 Prozentpunkte anstehen. Der Leitzins könnte so bis Jahresende locker bei rund zwei Prozent liegen.

Schwieriger Balanceakt 
Die Teuerungsrate in den USA ist so hoch wie seit Jahrzehnten nicht. Im März stiegen die Preise im Vergleich zum Vorjahresmonat um 8,5 Prozent. Angesichts dieser hohen Inflation stand die US-Notenbank unter großem Handlungsdruck. Den drastischen Anstieg begründet Notenbankchef Powell mit den Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine und Corona-Lockdowns in China, die die ohnehin schon angeschlagenen Lieferketten noch weiter schwächen. 

Zudem sei eine Erhöhung längst fällig gewesen, berichtet die "Neue Zürcher Zeitung" (NZZ), da die US-Wirtschaft wieder Fahrt aufgenommen hat und die Arbeitslosenquote zuletzt bei niedrigen 3,6 Prozent lag. Auch die Löhne seien laut NZZ so stark gestiegen wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen ist größer als das Angebot, was die Preise weiter treibt. Es ist ein schwieriger Balanceakt, einerseits die Inflation in Schach zu halten und andererseits die Konjunktur nicht abzuwürgen. (fp)