Acatis Investment-Geschäftsführer Hendrik Leber nahm bereits zum 18. Mal an der jährlichen Hauptversammlung von Warren Buffetts Berkshire Hathaway in Omaha teil. In diesem Jahr war das "Woodstock der Kapitalisten" durch die Teilnahme des Fondsmanagers Doug Kass, der gegen die Aktie von Berkshire Hathaway wettet, besonders spannend.

"Buffett ist ziemlich rumgetanzt um die Antworten"
Nach Ansicht von Leber hat Kass die Erwartungen erfüllt und "richtig gut gefragt, scharf auf den Punkt gewiesen". Er habe so den Starinvestor ein ums andere Mal in Verlegenheit gebracht. "Buffett ist ziemlich rumgetanzt um die Antworten. Ich hatte auch den Eindruck, dass Buffett ein wenig versucht hat, seinen Kritiker lächerlich zu machen", so Leber im "Handelsblatt"-Interview – für ihn war Kass daher der Punktesieger im Duell mit Buffett. Als Beispiel nannte Leber Kass' Frage, ob aus der Value-Aktie Berkshire Hathaway inzwischen ein Witwen- und Waisenpapier geworden sei. Der Fondsmanager habe gefragt, wo die Analysen bleiben – wenn Entscheidungen über viele Milliarden US-Dollar getroffen würden, erwarte er eine gründliche Analyse des Deals. Zudem erkundigte er sich nach den Renditen, die in den vergangenen Jahren nicht so gut waren wie gewohnt. Und schließlich sei auch das große Thema Heinz aufgekommen: Wurde für den Ketchup-Hersteller zu viel hingelegt? "Warren Buffett hat hier zugegeben, dass diese Beteiligung zu teuer bezahlt worden ist", erinnert sich Leber.

"Als Stockpicker ist er längst nicht mehr so gut wie früher"
Lebers Resümee lautet daher: "Berkshire Hathaway bewegt sich in die Mittelmäßigkeit der Renditen – und Buffett hat keine Antwort auf diese Frage gegeben. Als Stockpicker, also in der Auswahl attraktiver Aktien, ist er schon lange nicht mehr so gut wie früher. Viel Geld wird aber mit dem Versicherungsgeschäft erwirtschaftet. Und das speist ja die Übernahmen." Doch auch wenn Buffett nicht mehr so gut die besten Aktien auswähle, bleibe er ein wichtiger Geldgeber in der Not. "Das Spiel des antizyklischen Investierens, also der letzte zu sein, der noch Geld hat, das kann er weiter gut. Buffett kann innerhalb weniger Wochen Geld bereitstellen und fährt damit hohe Renditen ein", meint Leber.

"Buffett ist unglaublich fit"
Abschließend zeigte sich der Acatis Investment-Geschäftsführer beeindruckt vom Fitness-Zustand der Berkshire-Führung: "Buffett ist unglaublich fit. Er ist 82 Jahre alt, sein Partner Charlie Munger ist 89 Jahre alt. Beide haben sechseinhalb Stunden lang Fragen beantwortet. Ich bin ja schon nach der zehnten Frage müde geworden." Es würde ihn daher keineswegs überraschen, wenn Buffett "noch zehn Jahre so weitermacht". (mb)