Der haussierende Goldpreis könnte sich unter bestimmten Umständen auch in Zukunft stabilisieren, meint Goldstratege Joe Foster vom Vermögensverwalter Van Eck. Wie sich Gold als Wertanlage entwickelt, hängt von verschiedenen Faktoren ab, die nicht ohne Risiken für Anleger sind. So könnten die geplanten Zinserhöhungen der Zentralbanken in den USA und Europa dem Goldpreis zusetzen. Die US-Zentralbank Federal Reserve (Fed) wird ihre Zinsen im laufenden Jahr noch sechs Mal um jeweils 25 Basispunkte anheben, schätzt Foster. Auch Erhöhungen um 50 Basispunkte sind nicht ausgeschlossen. Das wirkt sich in der Regel negativ auf den Goldpreis aus, weil mit Zinserhöhungen andere Wertanlagen wie Staatsanleihen und Festgeldkonten profitabler werden. Anleger sind dann nicht mehr darauf angewiesen, Risiko in ihrem Portfolio über Gold abzusichern. Der Goldpreis fällt also. 

Allerdings korreliert der Goldpreis stärker mit den realen Zinsen, also den nominalen Zinsen abzüglich der Inflation. Und diese könnten weiterhin niedrig bleiben, falls die Inflationsbekämpfung der Zentralbanken nicht fruchtet. Zinserhöhungen dämpfen die Inflation, indem sie Investitionen teurer und damit unattraktiver machen. Ziehen sie aber zu stark an, verlangsamt sich die Wirtschaft so sehr, dass sie in eine Rezession abdriftet. "Sowohl eine anhaltende Inflation als auch eine Rezession wären positiv für Gold", sagt Foster.

Gold bewährt sich
Rückenwind gibt es aus Russland: Nachdem die dortige Zentralbank im März den Zugang zu ihren Devisen verloren hatte, bot das Edelmetall für sie eine gute Alternative. Zwar haben die USA den Handel mit russischem Gold verboten, allerdings "bezweifeln wir, dass dies Russland davon abhalten wird, sein Gold bei Bedarf zu monetarisieren", sagt Foster. So kündigte die russische Zentralbank bereits an, Kreditinstituten im Land das Edelmetall abzukaufen, um für Liquidität zu sorgen. Mittlerweile hält die Zentralbank bereits 20 Prozent ihrer Gesamtreserven in Gold, schätzt der Experte. 

Das Edelmetall hat sich für die russische Zentralbank als sicherer Wertaufbewahrungsort bewiesen – ein Vorbild auch für andere Zentralbanken. "Dies könnte positive Auswirkungen auf die Goldnachfrage der Zentralbanken und anderer Institute und Anleger weltweit haben", prognostiziert Foster. Seinen Berechnungen zufolge würde bereits ein Anstieg des Goldanteils auf zwei Prozent in den weltweiten Finanzanlagen die Goldnachfrage und damit auch den Preis verdoppeln. "Auch wenn diese Szenarien spekulativ sind", räumt der Experte ein, "ist es doch nicht unwahrscheinlich, dass der Goldpreis von seinem derzeitigen Niveau aus weiter steigt". (fp)