Vanguard-Stratege: Bitcoin ist nicht mehr als ein digitales Plüschtier
Vanguard ermöglicht seinen Kunden inzwischen den Handel mit Bitcoin-ETFs. An der grundsätzlichen Skepsis gegenüber Kryptowährungen als Anlageklasse hält der Vermögensverwalter jedoch fest.
Das Investmenthaus Vanguard erlaubt seinen Kunden in den USA inzwischen den Handel mit börsengehandelten Spot-Bitcoin-ETF. An der grundsätzlichen Einschätzung von Kryptowährungen hat sich bei dem Vermögensverwalter jedoch nichts geändert, wie ein führender Investmentmanager des Hauses betont.
Bitcoin als spekulatives Sammlerstück
Bitcoin sei eher als spekulatives Sammlerobjekt zu verstehen – vergleichbar mit einem populären Plüschtier – und nicht als produktiver Vermögenswert. Diese Einschätzung vertritt John Ameriks, globaler Leiter für quantitative Aktienstrategien bei Vanguard. Der Token verfüge weder über Erträge noch über Zinseszinseffekte oder stabile Cashflows – Eigenschaften, auf die Vanguard bei langfristigen Investments Wert lege.
"Digitaler Labubu" statt Anlageklasse
Solange es keine klaren Belege dafür gebe, dass die zugrunde liegende Technologie einen nachhaltigen wirtschaftlichen Nutzen liefere, falle es ihm schwer, Bitcoin als mehr zu betrachten als einen "digitalen Labubu", sagte Ameriks am Donnerstag (11.12.) auf der Konferenz "ETFs in Depth" der Nachrichtenagentur "Bloomberg" in New York. Damit spielte er auf die viral verbreiteten Stofftier-Sammlerstücke an.
Hohe Volatilität prägt den Markt
Die Aussage fällt in eine Phase anhaltender Kursverluste der größten Kryptowährung. Bitcoin wird derzeit zu rund 92.000 US-Dollar gehandelt, nachdem der Preis noch vor wenigen Wochen bei etwa 126.000 US-Dollar gelegen hatte. Die Kryptowährung ist bekannt für ausgeprägte Boom-und-Bust-Zyklen, bei denen sie erhebliche Wertverluste erleidet, um sich später wieder zu erholen.
Vor diesem Hintergrund haben sich Führungskräfte von Vanguard in der Vergangenheit offen kritisch über Kryptowährungen als Investment geäußert und sie unter anderem als spekulativ bezeichnet.
Kein eigenes Krypto-ETF-Angebot
Der Vermögensverwalter mit einem verwalteten Vermögen von rund zwölf Billionen US-Dollar verzichtet weiterhin auf eigene Krypto-ETFs – ein Punkt, den Ameriks erneut bekräftigte. Dennoch hat Vanguard Anfang dieses Monats seine Handelsplattform für entsprechende Produkte geöffnet und ermöglicht damit Millionen von Kunden den Kauf und Verkauf bestimmter Digital-Asset-ETFs.
Entscheidung nach Beobachtung der Produktentwicklung
Die Entscheidung sei unter anderem gefallen, nachdem Krypto-ETFs seit dem Start der ersten Bitcoin-Fonds im Januar 2024 eine gewisse Erfolgsbilanz aufgebaut hätten, so Ameriks. Vanguard habe sicherstellen wollen, dass die Produkte tatsächlich das lieferten, "was auf der Verpackung steht und wie sie beschrieben werden", sagte er in einem separaten Interview am Rande der Konferenz.
Keine Anlageempfehlungen für Kryptowährungen
"Wir erlauben es den Menschen, diese ETFs auf unserer Plattform zu halten und zu kaufen, wenn sie das möchten – aber sie tun das nach eigenem Ermessen", sagte Ameriks. "Wir werden ihnen keine Empfehlungen geben, ob sie kaufen oder verkaufen sollten oder welche Krypto-Token sie halten sollten. Das ist derzeit nicht unsere Aufgabe."
Gleichzeitig äußerte sich Vanguard optimistisch über den Nutzen der Blockchain-Technologie und deren Potenzial, die Marktstruktur zu verbessern, ergänzte ein Unternehmenssprecher.
Potenzielle Rolle in Ausnahmeszenarien
Ameriks räumte ein, dass es bestimmte Szenarien gebe, in denen Bitcoin möglicherweise einen nicht rein spekulativen Nutzen haben könnte – etwa in Phasen hoher Inflation oder politischer Instabilität.
"Wenn man in solchen Situationen verlässliche Preisbewegungen erkennen kann, lässt sich sinnvoller über die Investmentthese und die mögliche Rolle im Portfolio sprechen", sagte er. "Aber so weit sind wir noch nicht – die Historie ist dafür schlicht zu kurz." (mb/Bloomberg)




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