Was hoch steigt, kann bekanntlich tief fallen. Seit Oktober 2020 stoßen Anleger vermehrt überbewertete Growth-Titel zugunsten unterbewerteter Value-Aktien ab. "Die Euphorie für die inzwischen extrem teuren Technologie- und Erneuerbare-Energie-Aktien endet, und an der Börse kehrt wieder mehr Vernunft ein", kommentiert Georg von Wyss, Partner und Portfoliomanager beim Schweizer Fondsverwalter BWM Value Investing. Seit Mitte Februar 2021 schwächeln die Kurse teurer Aktien besonders stark und könnten dem Experten zufolge noch weiter abrutschen. 

In den vergangenen Jahren hatten Investoren konventionellen Aktienbewertungskriterien wenig Beachtung geschenkt und stattdessen auf das Momentum gehypter Tech-Aktien gesetzt. Infolgedessen kletterten deren Kurse immer weiter in die Höhe. Das Umdenken hat mit dem Aufkommen des ersten Impfstoffes gegen das Coronavirus begonnen. "Seitdem entwickeln sich unterbewerte Aktien deutlich besser als überbewertete", sagt von Wyss. Er vermutet, dass Anleger jetzt wieder stärker auf die Fundamentaldaten schauen. Hinzu kommt, dass Substanzwerte im Gegensatz zu Wachstumsaktien die Auswirkungen der tiefen Zinsen kaum gespürt und deshalb keine grundlegende Neubewertung erlebt haben. "Insofern sind Value-Aktien in einem Szenario steigender Zinsen beziehungsweise zunehmender Inflation viel weniger verletzlich als Wachstumstitel."

Steigende Zinsen treiben Value-Wende voran
Die derzeit wachsenden Zinsen bei Anleihen mit langer Laufzeit könnten den Abstieg der Growth-Aktien zusätzlich befeuern. Sobald Anleihen wieder attraktiver werden, steigt der Druck auf Wachstumstitel, erklärt der Manager zweier Value-Fonds. "Die Börse normalisiert sich, wie immer schon, was bedeutet, dass der Value-Stil seine langfristige Outperformance erneut beweisen kann." Er ist überzeugt: Wer weiterhin strikt auf Wachstumswerte setzt, riskiert Verluste. (fp)