Eine gute Aktie zu einem günstigen Preis zu kaufen, davon träumt wohl jeder Investor. Gerade in Deutschland finden sich unter den Top-Unternehmen immer noch einige Schnäppchen – so scheint es zumindest. Laut Marc-Oliver Lux von der Vermögensverwaltung Dr. Lux & Präuner in München gibt es allerdings einen guten Grund dafür, dass die Dax-Unternehmen an der Börse seit Jahren niedriger bewertet werden als ihre amerikanischen Pendants: "Die Amerikaner halten ihre Gewinnprognosen regelmäßig zielgenauer ein als die deutschen Konzerne", sagt Lux. 

US-Aktien werden meist einige Cent teuer eingeschätzt, als sie tatsächlich sind. "Das gehört dort zum guten Ton", sagt Anlageprofi Lux. Tatsächlich legten die Bewertungen vieler US-Aktien, vor allem von Tech-Unternehmen, zuletzt ordentlich zu, wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) zeigt: Demnach bezahlten Anleger für Dow-Jones-Unternehmen in der Summe das 35-Fache von deren Jahresgewinn. Die Aktien der Dax-Unternehmen kosteten dagegen lediglich das 16-Fache ihres Jahresertrags, waren rückblickend aber oft zu hoch bewertet worden. "Am Ende erweisen sich viele dieser Unternehmen als überschätzt", sagt Lux. Jahrelang stagnierten die Gewinne der Dax-Konzerne, obwohl Analysten immer davon ausgingen, dass sie ihre Gewinne um zehn bis 15 Prozent steigern würden.

Der "Pannen-Index"
Von vermeintlich hohen Kurs-Gewinn-Verhältnissen sollten sich Anleger nicht abschrecken lassen, sagt der Anlageprofi. "In Wahrheit sind die amerikanischen Unternehmen nicht unbedingt teurer", erklärt er. "Sie wachsen vielmehr dynamischer und nachhaltiger als deutsche Unternehmen." Und haben oft die solideren Geschäftsmodelle. Man denke etwa an die Energieversorger RWE und Eon, die wegen der Neuausrichtung ihrer Geschäftsmodelle unter die Räder kamen. Oder die Insolvenz des einstigen Dax-Shooting-Stars Wirecard. "Die geballte Ladung an Pleiten, Pech und Pannen im Dax ist einzigartig", sagt Lux. (fp)