Allen Problemen zum Trotz ist Europa stärker, als so mancher Europäer derzeit denkt: "Der alte Kontinent steht viel besser da, als es aus der Binnensicht heraus erscheint", sagt Michael Reuss, Geschäftsführer der Huber, Reuss & Kollegen Vermögensverwaltung.

Die Wahl des europafreundlichen Emmanuel Macron zum französischen Präsidenten zeige, dass sich viele Bürger ein starkes Europa wünschen. "Dies ist ein gutes Zeichen. Wäre Le Pen zur Präsidentin gewählt worden, wären die Folgen unabsehbar gewesen. Davon bleiben die Bürger Europas und die Kapitalmärkte nun verschont." Reuss wertet den Ausgang der Wahlen in Frankreich und den Niederlanden als Zeichen dafür, dass Brexit-Schock, die Wahl des Protektionismus-Befürworters Donald Trump, die Beschimpfungen Erdogans in Richtung Europa und das Erstarken der Populisten viele Bürger wachgerüttelt haben.

Für den alten Kontinent sprechen Reuss zufolge derzeit auch die guten wirtschaftlichen Daten: Der viel beachtete Einkaufsmanager-Index ist im März überraschend um 0,7 auf 56,7 Punkte geklettert, den höchsten Wert seit April 2011. Die EU-Kommission erwartet, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im laufenden Jahr auf 1,6 und 2018 auf 1,8 Prozent zulegen und damit nach 1,5 Prozent BIP-Wachstum in 2016 weiter zulegen wird. "Drei Jahre steigendes Wachstum in allen Euroländern - das gab es seit fast einem Jahrzehnt nicht mehr", sagt Reuss. Zudem ist die Arbeitslosenrate innerhalb der EU inzwischen auf 8,5 Prozent gesunken, 2013 lag sie noch bei fast elf Prozent. Entsprechend gut geht es den Firmen, beobachtet Reuss: "Erstmals seit Jahren sind bei den Unternehmensgewinnen signifikante Revisionen nach oben zu erkennen, die Unternehmen verdienen deutlich mehr als erwartet."

Positives Beispiel Portugal
Beispielhaft für den Aufschwung Europas ist aus Sicht des Vermögensverwalters Portugal, das zwischenzeitlich mit Hilfsprogrammen gestützt werden musste: "2016 hat das Land so wenige neue Schulden angehäuft wie noch nie seit der Rückkehr zur Demokratie", sagt Reuss. Das Defizit belief sich auf 2,1 Prozent des Bruttoinlandprodukts und fiel damit deutlich besser aus als die Zielvorgabe von 2,5 Prozent. (fp)